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Release: 30.04.2006  

Looki intern - Die Zersetzung der Gaming-Kultur

16.03.2013 von Bjoern Plantholt
Looki intern
Steht auf Klassiker, freut sich aber ebenso über frischen Wind in staubigen Gemäuern: Der Björn.
Geht es nur mir so, oder hat noch jemand das unbestimmte Gefühl, dass gerade fast alle großen und traditionsreichen Marken eine Dürreperiode durchleiden? Viele der alten Stärken von 'Sim City' streicht Entwickler Maxis im aktuellen Ableger einfach raus. Die für Blizzard nie ganz unwichtige Story in 'StarCraft 2: Heart of the Swarm' ist ausladend, um nicht zu sagen hanebüchen. 'Dead Space 3' verliert den Horror, 'Resident Evil 6' sowieso und selbst der einstige Hitgigant Kratos muss sich einiges Gemecker gefallen lassen. Wenn man wollte, könnte man die Liste so weiter führen, bis die Sonne aufgeht.

Ich frage mich seit langem, ob es an meinem zunehmenden Alter liegt, dass es mir bei einigen Reihen wie bei neuen TV-Sendungen geht: Der alte Spider-Man ist cool, der neue Super-Manga-Keine-Ahnung-Spider-Man ist nicht mein Ding. Neulich habe ich Winnie Puuh in CGI-Grafik gesehen. Was zur Hölle? Werde ich langsam verschroben? Trotz aller Selbstreflexion denke ich nicht, dass das der Fall ist, da auch jüngere Kollegen meines Berufsstands die Titel ähnlich einschätzen wie ich, Kritikpunkte und lobenswerte Aspekte vergleichbar sehen.

Liegt es also an den Spielen? An den Entwicklern? Oder einfach an der Zeit? Das kann auch nicht sein. Die Zielgruppe für elektronische Unterhaltungsmedien wächst, heutzutage werden mehr Computer- und Videospiele als jemals zuvor verkauft und an der Zeit – seien wir mal ehrlich – hat noch nie irgendetwas gelegen. Was ist es also, was meinen Eindruck so trübt? Ich persönlich glaube, dass es die Professionalisierung ist, wenn nicht ganz, dann doch immerhin zu einem nicht unerheblichen Teil. Nicht falsch verstehen, ich würde den Begriff niemals synonym für "verkehrt" benutzen. Doch führt Professionalisierung immer zu einem eingeschränkten Sichtfeld, der Konzentration und dem Fokus auf das, was mit hoher Wahrscheinlichkeit funktioniert. Außerdem zu weiteren Trends, die ich missbillige: Häufig steht nicht mehr der Spieler im Mittelpunkt des Interesses von Publishern und Entwicklern, sondern deren eigenes Ziel. Klar, später – wenn sich die Spieler dann über etwas beschweren – verkauft man bis zur Unkenntlichkeit abgeflachte Spielmechaniken oder Dinge wie den permanenten Online-Zwang als "kreative Vision" für sein Produkt. Meist hört sich das nach Humbug an!

Es ist sicherlich keine kollektive Fehlinterpretation, wenn sich ein Großteil der Spieler über zu einfache Spiele, steigende Actionlastigkeit und oberflächliche bis dumme Handlungsstränge beschwert. Man schaue sich einmal in den Regalen der Händler um und zähle, auf wie vielen Verpackungen eine Zahl im Namen steht und vergleiche dann selbst. Für mich fühlt sich das wie eine Zersetzung, eine Verwitterung von Spielekultur an, wenn sich selbige nicht durch neue Ideen, sondern durch wiederkehrende, inszetuöse Muster fortpflanzt. Klar, besser gut geklaut als schlecht erfunden. Aber dieses Konzept geht nicht ewig auf. Noch überdeckt die permanente Vergrößerung der Zielgruppe den Gestank dieser Entwicklung. Ich glaube jedoch nicht daran, dass das in einigen Jahren noch der Fall sein wird. Und selbst große und bekannte Reihen können sich im Rahmen ihrer eigenen Individualität und ihrer Ausrichtung immer wieder neu erfinden, ohne blindlings jeder neuen Mode hinterherzuhetzen. Aber stimmt, dann kann man vielleicht nicht mehr jedes Jahr ein neues Spiel zur Serie veröffentlichen.

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