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Sklaverei bei Rockstar San Diego - Spezial PC




Wenn im Englischen der Begriff “Human resource“ fällt, dann ist damit nicht etwa die exakte 1:1-Übersetzung ins Deutsche gemeint, sondern ein Arbeitnehmer. In Zeiten der voranschreitenden Globalisierung in Zusammenhang mit der freien Marktwirtschaft würden aber sicher nicht nur Marx und Engels anmerken, dass “menschliche Ressource“ vielleicht stellenweise besser zuträfe als die eigentliche Übersetzung. Die Konkurrenz wächst, die Preise für die Produkte müssen am Markt meist nach unten korrigiert und die Kosten für Arbeitsressourcen minimiert werden. Dass diese Verhältnisse vor der Videospielindustrie nicht Halt machen, ist nur natürlich. Symptome wie die verstärkte Entlassung von Mitarbeitern und Schließung bzw. Fusion kompletter Studios sind die Folgen. Weitere Konsequenzen einer solche Entwicklung beklagten Anfang des Jahres 2010 ausgerechnet die Frauen der Entwickler im San Diego-Studio von Rockstar Games.

Unter anderem aufgrund der schwer erfolgreichen GTA-Reihe genoss das Studionetzwerk bis dato einen guten und vor allem kultigen Ruf, doch änderte sich das Ansehen schlagartig, als am 7. Januar ein offener Brief beim Online-Magazin Gamsutra auftauchte, der die Arbeitsbedingungen von Rockstar San Diego unverhohlen anprangerte. Das Studio war mit der Entwicklung von 'Red Dead Redemption' beschäftigt, das seinerzeit häufig verschoben worden war. In dem Brief klagten die Ehefrauen der Mitarbeiter über vermeintliche Missstände wie 12-stündige Arbeitstage an sechs Tagen der Woche, zu wenig finanzielle Entlastung und willkürliche Streichung diverser Boni.

Die Missstände



Entwickler sind es gewohnt, in der so genannten "Crunch Time", die rund ein bis drei Monate vor der Fertigstellung eines Spiels anfällt, aufgrund der engen Einhaltung der Veröffentlichungsfristen, unter starkem Stress zu stehen. Die Frauen der Rockstar-Mitarbeiter betonten jedoch, dass die Verhältnisse bereits seit März 2009 - also rund neun Monaten - untragbar gewesen seien. Die schlechte Behandlung der Angestellten sowie die allgemein negativen Arbeitsbedingungen seien nicht nur unrechtmäßig, sondern hätte derweil bei einigen Mitarbeitern sogar zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen wie Depression oder gar Selbstmordgedanken geführt. „Wenn es Zeiten des erhöhten Aufwands gibt, gibt es andere, in denen es langsamer läuft, um sich zu erholen“, heißt es in dem Brief. „So wird das aber nicht gehandhabt.“ Die Mitarbeiter seien in “Maschinen“ verwandelt worden, denen langsam ihre Menschlichkeit genommen werde.

Selbst, wenn die Entwicklung von Red Dead Redemption wirklich unter einem schlechten Stern stand, merkte der Kunde kaum etwas davon.



Eine finanzielle Entschädigung hätten die Mitarbeiter dafür nicht gesehen. Die Autorinnen berichteten stattdessen von teils willkürlichen Boni-Streichungen und nur marginalen Gehaltserhöhungen. Beförderungen seien lediglich durchgeführt worden, um die Mitarbeiter zu noch mehr unbezahlten Überstunden zu bewegen und mindestens ein Studiomanager verschlechtere durch sein “menschenverachtendes“ Benehmen das Arbeitsklima.
 
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