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007: Liebesgrüße aus Moskau - Test GameCube


Er ist wieder da! Er sieht gut aus, ist charmant, hat immer einen lockeren Spruch auf Lager und kriegt generell jede Frau ins Bett. Die Rede ist von James Bond, dem MI6-Spitzenagent des britischen Geheimdienstes. Der Mann, der seine Drinks stets geschüttelt und nicht gerührt zu sich nimmt und immer eine Walther PPK im Säckel hat, ist nunmehr seit 43 Jahren im Dienste Ihrer Majestät tätig. Sein neuster Konsolen-Einsatz ist an den Spielfilm Liebesgrüße aus Moskau angelehnt, der hierzulande seine Deutschlandpremiere bereits 1964 feierte. Ob Electronic Arts mit der Videospielumsetzung an die Erfolge des Films heranreichen kann, klärt unser Test.

Wie eben bereits kurz erwähnt, diente als Vorlage zum Spiel der gleichnamige Film aus dem Jahr 1963. Da James Bond im ersten Kinofilm bekanntlich Jagd auf Dr. No gemacht hat, wollen Blofeld und sein Verbrecherkartell SPECTRE – auch bekannt als Octopus – den Tod ihres ehemaligen Chefs rächen. Hierzu wird 007 eine Falle gestellt und als Köder dient eine russische Dechiffriermaschine des Typs Lektor, die Bond zusammen mit der russischen Überläuferin Tatjana Romanova aus Istanbul herausschleusen soll. Der Tod von James Bond ist aber bei weitem nicht alles, was der Geheimbund erreichen will. Dieser hat die Aktion nämlich auch gestartet, um zusätzlich noch einen Konflikt zwischen den westlichen Mächten und den Ostblockstaaten zu provozieren. James Bond soll dafür sorgen, dass der Kalte Krieg nicht länger kalt bleibt.

Um dem Filmpendant treu zu bleiben, schlüpft ihr während der insgesamt 18 im Spiel vorkommenden Einsätze in das Polygongewand von Sean Connery. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet, denn der virtuelle Bond sieht dem damals noch jungen Connery sehr ähnlich. Nicht nur auf Gesicht und Mimik wurde geachtet, man hat sich zudem auch der Körperhaltung des Schauspielers angenommen und diese hervorragend für die Konsolen umgesetzt. Im edlen Smoking seid ihr während der abwechslungsreichen Missionen entweder zu Fuß, per Aston Martin Sportwagen oder hoch in den Lüften mit dem Jetpack unterwegs. Leider seid ihr im Spiel stets auf linearen Pfaden unterwegs, was sich allerdings aufgrund der abwechslungsreichen Levels und der erweiterten Filmgeschichte als nicht wirklich störend erweist. Die einzelnen Aufträge unterscheiden sich dabei voneinander. Manche sind beispielsweise mit einem Zeitlimit versehen, in anderen zahlt es sich aus, langsam und leise zu agieren. Genau wie Genrekollege Sam Fisher könnt ihr die Gegner von hinten überraschen und mit einem einzigen Hieb ausschalten. Wer es lieber rüpelhafter hat, der kann sich den Kontrahenten selbstverständlich auch im Nahkampf entgegenstellen. Wer dabei schnell genug die eingeblendeten Tasten drückt, der wird mit nützlichen Skill-Punkten belohnt. Diese können hinterher im Optionsmenü gegen Konzeptzeichnungen, Videos oder Mehrspielerfiguren eingetauscht werden, die im zur Verfügung stehenden Mehrspielermodus mit bis zu vier Spielern via Splitscreen, gleichzeitig eingesetzt werden können.
Egal ob ihr gerade mit dem Orientexpress über Jugoslawien nach Triest reist, Geiseln aus der Gefangenschaft befreit, Bomben entschärft, euch eine heiße Autoverfolgungsjagd oder einen heftigen Kampf mit einem im Gebäude schwirrenden Helikopter liefert, hier ist immer Action angesagt.

Da wird mit Qs Laseruhr durch gepanzertes Glas geschossen, mit dem Raketenrucksack durch die unterirdischen Wasserkanäle Istanbuls geflogen oder mit den Betäubungsmanschetten gleich mehrere Feinde auf einmal ins Land der Träume geschickt. Apropos Land der Träume: Dank der neuen, gezielt einsetzbaren Fokus-Funktion im Spiel, könnt ihr die einzelnen Trefferzonen der Gegner sichtbar machen und so beispielsweise eine Handgranate vom gegnerischen Gürtel pusten. Das sieht nicht nur verdammt cool aus, sondern spielt sich dank der eingängigen Steuerung auch ziemlich leicht. Tja, ein Geheimagent muss eben nicht nur Frauen beglücken und Drinks Schlürfen, sondern es auch mit zahlreichen russischen Soldaten gleichzeitig aufnehmen können. Dass James Bond dabei eigentlich immer eine gute Figur macht, liegt allerdings nicht nur an seinem Können und den technischen Gimmicks von Q, sondern eindeutig auch an der guten grafischen Umsetzung.



Optisch betrachtet macht Liebesgrüße aus Moskau eine gute Figur. Das liegt zum einen an der verblüffend ähnlichen Darstellung von Hauptakteur Sean Connery und zum anderen an dem gelungenen Leveldesign, das nicht mit zahlreichen schönen Effekten wie Explosionen oder Wasserspiegelungen geizt. Auch die Zwischensequenzen sind cineastisch in Szene gesetzt worden und versprühen das typische Bond-Flair. Einzig wirklicher Schwachpunkt ist hier die Framerate, die leider nicht immer stabil gehalten wird. Bei zu vielen Gegnern oder Effekten kommt es nämlich vor, dass diese kurz in die Knie gezwungen wird. Auch die akustische Untermalung ist nicht frei von technischen Mängeln. Zwar gibt es hier satten Dolby Pro Logic II-Sound und einen stimmigen Musikscore, der für ordentliche Atmosphäre sorgt, dafür klingen die deutschen Synchronsprecher allerdings etwas hölzern und auch James Bond hat eine fremde Synchronstimme. Anders sieht es da bei der englischen Fassung aus, die ebenfalls wahlweise zur Verfügung steht. Hier wurde Sean Connery höchst persönlich vor das Mikro geholt, der seinem jüngeren Ich im Spiel seine Stimme leiht. Das ist zwar an sich gar nicht mal so schlecht, will allerdings nicht 100%ig zum jungen Bond passen. Dafür bekommt ihr aber den originalen Bond-Soundtrack und eine nicht enden wollende Lawine an ordentlich krachenden Soundeffekten geboten.
James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau
(Cluster: nd69 - Sprache: de)