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    Wär gern cool Estar_Odinson befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Estar_Odinson
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    Standard Was man über Wikinger wissen sollte

    Vorweg - das Ziel dieses Themas ist es, sich über die realen Wikinger zu unterhalten nicht über Fantasy oder Gronenland und zwar, um mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen.
    Die Basis der hier vorgestellten Punkte ist archäologische und historische Recherche die nicht von mir ausgeführt sondern nur zusammengetragen wird. Quellenangaben sind sowohl Snorris Edda wie die Liederedda und diverse Sagen (etwa die Eriksaga) aber auch archäologische Funde, historische Texte (Ibn Fadlan, Tacitus und diverse Geschichtschreiber der Römer aber auch des Mittelalters)
    Weiters beziehen sie sich auf die Studien von Dr. Maria Kvilhaug (norwegsiche Historikerin Spezialgebiet Wikinger) von viieeelen Anderen. Ich kann da gar nicht alle Bücher aufzählen. jedenfalls verweise ich auf gute Seiten zu dem Thema für des Englisch Mächtigen:

    Earth Mythic Library - YouTube
    Viking Answer Lady Webpage - General Information Page

    Gäbe antürlich viel mehr aber es soll ja keine Dr. Arbeit werden.

    Soweit zu den Quellen. Was ich beabsichtige ist zu informieren und mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen die leider weit verbreitet sind.
    Man muss aber immer dazu sagen, dass wir hier von gesellschaftlichen, moralischen und religiösen IDEALbildern sprechen. Die Realität sieht meist etwas anders aus. Und wir sprechen voN INDIVIDUEN - auch bei den Wikingern war jeder anders. Auch bei den Wikingern gab es Gesellschaftskritiker, Gebildete, Dumme, Kriminelle, Moralapostel, Priester, Krieger, Herrscher, Bauern und so weiter. Wie immer wenn man sowas macht muss man bedenken, dass wir von einer Gesellschaft sprechen und da gelten gesellscahftliche Normen und übereinkünfte aber dennoch waren die Menschen individuell. in der Tat hat sich der Mensch in seinem Verhalten seit der frühen Steinzeit bis heute kaum verändert und wir haben immer noch sehr ähnliche Probleme, Denkweisen und Handlungsweisen.
    Zudem erstreckt sich eine Kultur über eine grössere Zahl an Menschen - im Falle der Wikinger / Germanen (kulturell und Religiös gesehen waren die Wikinger auch Germanen) reden wir über eine Kultur und Religion die über ein grosses Gebiet (Nord und Mitteleuropa) über einen sehr langen Zeitraum (ca. 4000 Jahre) existierte und natürlich auch epochale Veränerungen erfuhr, wenn die Zeit es notwendig machte. So waren duie frühen Germanen ein sehr friedliches, harmonisches Volk wurden aber nach Kontakt zu den Römern ein sehr kriegerisches Volk.

    Kurzum - jeder darf selbstverständlich "seinen" Wikinger darstellen wie immer er es will. Immerhin waren Wikinger wie Germanen auch sehr verschiedene Menschen und Persönlichkeiten und ich bin mir sicher, dass nahezu jede Wikingerdarstellung bzw. Persönlichkeit auch historisch korrekt und authentisch sein dürfte. Mir gehts nur um eine generelle Wahrnehmung der Wikinger.

    Zuvor sollte man noch klären woher die ganzen Missverständnisse kommen.
    Nun da gibts zahlreiche Gründe...
    Einer ist die völlige Entfremund der eigenen Kultur. Als das Christentum die Macht übernahm bzw. die Germanen konvertierten ging ihr altes Wissen "unter" und wurde verteufelt. Im Mittelalter gab sich die Kirche Grösste Mühen, alles Heidnische zu verteufeln, als bösartig und widernatürlich darzustellen und das Christentum als die Einzige Heilslehre darzustellen, auch mit brutalsten Mitteln.
    Für uns Wichtig ist das insofern, als dass Snorri sein Werk unter dem Auge der Kirche schreiben musste - die Edda ist keine Anleitung zur nordischen Religion oder Denkweise sondern offiziell ein lehrwerk für Poeten. Eine Geschichtssammlung. Und da beginnt es damit, dass Snorri sehr viele wichtige Elemente (namentlich alle spirituellen) aus der Edda gestrichen hat und das christliche Weltbild auf die Edda presste obwohl es da gar nicht hin passt.
    Namentlich die Trennung von Gut und Böse die es bei den Wikingern nie gegeben hat (in Snorris Edda ist es Riesen gegen Götter was insofern schwachfug ist, als dass die Götter selber von Riesen abstammen, einige Riesen zu den Asen gezählt werden und Riesen und Asen bzw. Wanen oft zusammen arbeiten, untereinander heiraten, miteinander Kinder zeugen etc.)
    Ohne das zu sehr auszubauen haben wir das Problem, dass die Germanen in den 30ern für eine furchtbare ideologie missbraucht wurden und ihre Lehren völlig verstümmelt wurden. Ein Bild das sich bis heute hält. Dabei waren die germanen keinesweges so wie sie glorifiziert wurden. Sie waren alles andere als "rein" (rassentechnisch) oder intolerant im Gegenteil - in Europa ist mir keine Kultur bekannt die toleranter und aufgeschlossener Gegenüber Fremden war als gerade die der Germanen und Wikinger wofür es ettliche historische beweise gibt.
    Und dann die "Industrialisierung" des Materials. In dutzenden Filmen, Spielen und Stücken (angefangen mit Wagners Oper) wurden Klischees herausgekramt überspitzt und verbreitet - und die Menschen die damit in berührung kamen haben das einfach mal so übernommen obwohl es mit der Realität nicht viel zu tun hat. Das ist ein wenig wie die Vorstellung der Afrikaner von Deutschland - dort wird Deutschland als so superreich dargestellt, dass auch der ärmste Deutsche eine eigene Villa besitzt und umgerechnet so reich ist wie die reichsten Afrikaner. Kommt man dann in Deutschland an, fällt einem erstmal die Kinnlade runter weil man für eine Wurstsemmel so viel bezahlt wie man in Afrika als Monatsgehalt bekommt.
    Also so weit zum Unterschied zwischen idealisierung und Realität.

    Letztlich ist meine "FAQ" einw enig reisserisch gestaltet für den Unterhaltungswert der Leser

    Beginnen wir:

    Hörnerhelme: Entgegen der Stilisierung von Wagner haben Wikinger niemals Hörner auf den Helmen getragen. Es wurde bis heute nicht ein Wikingerhelm gefunden auf dem man Hörner hätte anbringen können. Diese Geschichte ist vermutlich aus christlichen Berichten entstanden, welche Wikinger als Dämonen aus der Hölle beschrieben die furchtbare grausame Blutbäder anrichten. Letzteres war allerdings korrekt und so wurden ihnen, den Dämonen gleich, Hörner angedichtet die aber nie vorhanden waren. Trinkhörner wurden durchaus verwendet aber auf den Helmen befanden sie sich nicht sondern an einem Gürtel.

    Primitiv: Die Wikinger waren keine wilden unzivilisierten Barbaren sondern hatten ganz im Gegenteil die mit Abstand erfolgreichste und sehr vielfältige Kultur und auch ihre technologischen Errungenschaften waren denen anderer Völker diesr Zeit weit vorraus. Die Rüstungen der Wikinger waren wesentlich stabiler und kunstfertiger geschmiedet als bei anderen Kulturen, ihre Waffen reich mit Ornamenten, Inschriften, Bildern und silbernen sowie goldenen Verzierungen umspielt. Sie waren unglaubliche Kunsthandwerker die äusserst hochentwickelt gefertigten Schmuck herstellen. Ihre Broschen, Halsketten und Armreife waren die wertvollsten ihrer Zeit. Sie fertigten nicht nur feinste Gravuren an sondern hatten auch spezielle Fertigungsweisen. Sie stellten bunte Glasperlen und kunstvolle Knöpfe sowie Schnitzereien an. Sie waren nicht nur erfolgreiche Eroberer sondern auch Entdecker welche ganz neue Länder erschlossen (Island, Amerika) und auf Landwege bis nach China kamen. Sie waren aber auch hervorragende Händler, betrieben sehr ertragreiche Handelsrouten und hatten ein Handelsnetzwerk welches sie mit allen Luxusgütern des Mittelalters versorgte. Sie handelten mit Arabern ebenso wie mit Chinesen, mit Byzanz und Italien und natürlich miteinander. Vor allem ihre Schiffe waren legendär, und die Geschwindigkeit von bis zu 20 Knoten ist selbst für hochmoderne Segelschiffe fast unerreichbar. Die grösste Genialität lag aber wohl darin, dass sie keine Pläne fertigten sondern alles "aus dem Kopf" vollbrachten.

    Ungepflegt: Man denkt gern Wikinger waren riesige wilde Männer mit wallendem Haupthaar die sich nie gewaschen haben. Im Gegensatz zum Rest des mittelelterlichen Europas (ausgenommen Byzanz) stimmt das allerdings nicht. Im Gegenteil bei den Wikingern achteten Männer wie Frauen sehr auf Körperpflege. Die Männer hatten immer einen Kamm und eine Schere bei sich um Bart und Haupthaar zu pflegen, sie nutzten wie ihre Frauen Makeup um besser auszusehen und sie trugen reichlich Schmuck. Halsketten, Ringe, Armreife, was immer draufpasste wurde angezogen um die Erscheinung beeindruckender zu machen. Als Seefahrer waren sie mit dem Wasser auch gut vertraut und hatten anders als die Landbevölkerung auch immer genug davon um sich gründlich zu waschen. Alles in allem waren die Wikinger sehr eitel und pflegten auch ihre Kleidung wie sich selbst.

    Räuber: Wikinger...damit verbindet man gern einen Haufen wilder Diebe. Das ist so nicht richtig obwohl sicher auch nicht ganz falsch. Wikinger waren eine Kultur, welche sich überwiegend durch Krieg finanzierte. Im kargen Norden waren Ackerbau und Viehzucht nur beschränkt möglich und je nach Jahreszeit war auch der Fischfang schwer möglich. Aus Verzweiflung setzte man also auf Kriegsindustrie. Die Wikinger waren aber keinesfalles nur Krieger. In ihrer Kultur standen Künstler und Handwerker in sehr hohem Ansehen und nirgendwo anders in der damaligen Zeit genossen Frauen höheres Ansehen oder mehr Rechte als bei den Wikingern. Sie hatten eine blühende Zivilisation in welcher Handwerker (vor allem Schmiede, Bootsbauer und Schneider) Jäger und Künstler sehr wichtig waren und geschätzt wurden. Aber auch Bauern, Händler und Entdecker waren sehr gefragt. Frauen durften Gutshöfe verwalten und waren in Erbrechten den Männern gleichgestellt. Und wie aus frühen Briefen (auf Rinde doer Pergament) hervorgeht, hatten sie ein ziemlich freches Mundwerk das sie in anderen mittelalterlichen Kulturen den Kopf gekostet hätte. Nur die Schriftsteller kamen etwas zu kurz da die Wikinger generell nur sehr wichtige Dinge aufschrieben – dennoch waren Sänger, Dichter und Geschichtenerzähler (Skalden) bei ihnen hochbeliebt. Und nicht wenige verdienten ihren Lebensunterhalt als Wirte. Und was wären Wikinger ohne guten Met? Und auch wenn kaum einer durch Tanzvorführungen leben konnte, so schätzen die Wikinger doch auch Tänze sehr und handelten auch gern mit dem Orient wo sie Felle und Schmuck gegen Sklaven (etwa Tänzerinnen) eintauschten.
    Zu Frauenrecht wäre zu sagen, dass aufgrund der Clanmentalität Frauen eine enorm wichtige Rolle als "Diplomaten" einnahmen. Ein Wikinger der seiner Ehefrau nur eine Ohrfeige verpasste, konnte damit rechnen, dass ihr Clan diese Beleidigung mit seinem Tod rächen wird (in der Tat ist das mindestens einmal so geschehen) Zudem war es ein Zeichen eines nidingr (ehrlosen) sich and Schwächeren zu vergreifen (dazu zählte Frauen aufgrund körperlciher Statur und dem Fakt, dass Männer von Kindesbeinen an den kampf trainierten) und wurde mitunter schwer geahndet.

    Unterdrückung der Frauen: Man hat vom Wikinger ein Bild im Kopf – der klassische chauvinistische Macho der Frauen wie Dreck behandelt. Nun während einzelne Wikinger gegenüber ihren Sklavinnen so gehandelt haben mögen (wie in jeder Kultur) so hätten sie das sich nie bei ihren Frauen getraut. In der Wikingerkultur waren Frauen den Männern fast gleichgestellt, hatten beinahe die selben Rechte und das selbe Ansehen. Aus gefundenem Briefverkehr geht deutlich hervor, dass die Wikingerfrauen ihren Männern auch schamlos gedroht haben und auf die Ferne meckern konnten. Da fragt man sich fast, ob nicht die Frauen auf Kriegszug hätten gehen sollen, denn die weiblichen Wikinger waren an Tapferkeit und Wildheit ihren Männern mindestens ebenbürtig. Ganz anders als im Rest der damaligen Welt, wurden Frauen in der Wikingerkultur sehr gut behandelt und hatten sogar Anspruch auf "Alimente" wenn denn als sicher galt wer der Vater war. Da meist Kinder aber nur in Ehen entstanden musste der Mann seine Beute sowieso erstmal zu Hause abliefern. Die Frau verwaltete dann das Geld und Gut zu Hause während der Mann seinen Frust auslies indem er andere Länder plünderte.

    Ungebildet: Wer denkt Wikinger waren verrohte Dummköpfe irrt sich. Das Wissen, der Intellekt und die Weisheit war den Wikingern wichtiger als rohe Kraft oder Geschick im Kampf. Das zeigen nicht nur ihre Götter sondern auch ihre Anführer und Freizeitbeschäftigungen. Bei den Wikingern kam nicht der Stärkste und Brutalste von allen an die Macht, sondern der Klügste und Gerissenste. Dichter standen sehr hoch im Ansehen und von einem Anführer wurde erwartet, dass er mehr im Kopf hatte als seine ganze Truppe zusammen. Schliesslich wollte niemand einem Idioten in die Schlacht folgen. Die Wikinger waren zwar tapfer aber nicht lebensmüde. Die Wikinger hatten nicht nur Karten und einen Sonnenkompass entwickelt (was sie als Seefahrer so erfolgreich machte wie es erst 700 Jahre später wieder kommen sollte) sondern auch fantastische Schiffe, ausgeklügelte Schmiede und Rohstoffgewinnungstechniken (sie machten zwar aus Dreck am Boden kein Gold aber immerhin Eisen) und waren geniale Strategen. Die Intelligenz ihrer Anführer war ebenso legendär wie ihre Kampfkraft. So wurde etwa Sizilien ohne einen Kampf eingenommen obwohl die Hauptstadt als uneinnehmbar galt. Die Sizilianer verschanzten sich hinter einer Stadtmauer welche zu den besten Befestigungen ihrer Zeit gehörte und verhöhnten die Wikinger welche trotz ihrem Ruf nie durch die Stadtmauern kommen würden welche mit Verteidigungsanlagen vollgestellt waren. Der Kommandant der Wikinger liess alle ausd er Stadt kommenden Vögel fangen, ihnen Zweige an die Füsse binden, diese anzünden und schicke sie in die Stadt zurück – und kurz darauf brannte die ganze Stadt und die Bevölkerung ergab sich ohne Widerstand den Wikingern die draussen warteten. Generell schätzten die Wikinger Bildung und Wissen hoch und kauften auch Schriftstücke bei anderen Kulturen, tauschten sich aus und lernten dazu. Denn auch Ärzte waren wichtig, sowie andere Gelehrte. Und obwohl die Wikinger an Gelehrsamkeit nicht an die damaligen Araber herankamen, so waren sie doch den Europäern darin überlegen (erneut die Ausnahme Byzanz)
    Zudem waren die Wikinger sehr um Eloquenz bemüht - ein jeder übte sich in der Kunst der Worte. Eine gute, bilderreiche Sprache sicherte Anerkennung und Unterstützung innerhalb der Gesellschaft und so waren komplizierte Wortspiele sehr beliebt. In der Alltagssprache wurde das Wort "Schiff" fast nie verwendet, gängiger war "Pferd des Meeres" und ein eloquenter Sprecher mag mit Beschreibungen wie "der zahnbewehrte Graupelz der Mütter des Hornbläsers" Bewunderung bekommen haben, für diese wunderschöne Umschreibung eines feindlichen Schiffes welches gesunken ist - in der Tat stecken hier alle Informationen die das Schiff und sein Schicksal betreffen darin und wer dieses "Rätsel" zu entschlüsseln vermochte war sich des Respektes sicher.Indess galt es auch als Dumm auf Fragen die man mit ja oder nein beantworten konnte, mit Ja oder Nein zu antworten. Die Wikinger waren darum bemüht, intelligent zu wirken und eine kultivierte Sprache an den Tag zu legen.

  2. #2
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    Trinkgelage & Orgien: Ein berühmtes Vorurteil sind die Nahrungsgewohnheiten der Wikinger Met, Met, Met und gebratenes Fleisch von allen möglichen Wildtieren. Das mag auf der Tafel eines Königs durchaus hin und wieder aufgetischt worden sein und auch an besonderen Feiertagen wie dem Julfest mag es das gegeben haben, die allermeisten Wikinger ernährten sich aber fast das ganze Jahr hindurch von Fisch, Käse und schwachem Met (ca.3%). Auch nach einem grossen Sieg mussten sich die Feiernden mit dem Begnügen was vor Ort halt da war und das war im mittelalterlichen Europa meist nur Brot, Käse und mit Glück Bier. Historisch gesehen haben die Tempelritter weit wildere Trinkgelage gefeiert als die Wikinger. Die Templer hatten, anders als die Wikinger, ja auch guten Zugang zu höherprozentigem Alkohol (Wein mit 5 - 8%) Zu Orgien wäre erneut zu sagen, dass die Frauen im Wikingerreich den Männern fast gleichgestellt waren und ein Wikinger der Sex wollte musste entweder seine Frau überreden, ins Bordell gehen oder auf Beutezug vergewaltigen. Auch wenn man es nicht glaubt, aber Wikinger waren meist recht treue Menschen, denn Ehebruch war bei den Wikingern eine Straftat welche dem Mord gleichgestellt wurde. Und dazu zählte auch mit anderen Frauen / Männern zu verkehren ausgenommen mit Erlaubnis des Ehepartners. Singles dagegen waren ziemlich frei.

    Haudraufs: Wikinger waren entgegen der landläufigen Meinung keine tollwütigen Mähdrescher sondern gut ausgebildete Krieger. Erfahrene Veteranen gaben ihr Wissen an jüngere Kämpfer weiter. An Übungsplätzen wurde fleissig trainiert und durch die rauhe Lebensweise und das viele Rudern waren sie auch körperlich gestählt. Während die Wikinger nicht so diszipliniert waren wie römische Truppen, war ihre Ausbildung den mittelalterlichen Truppen anderer Länder inklusive den Rittern überlegen.

    Skandinaven: Eines der weitverbreitetsten Gerüchte war, dass Wikinger Skandinaven waren "Nordmänner" Das hat auf einen Teil der Wikinger auch durchaus zugetroffen und Schweden, Dänemark, Island und Norwegen waren auch im Hochmittelalter noch von den Wikingern geprägt, aber die Wikinger kamen auch aus Irland, Britannien, Russland und Norddeutschland, später auch Nordfrankreich. Die Wikinger waren keine ethnische Gruppe oder regional beschränkte Nation. Wikinger waren eine Kultur, eine Lebensweise, eine Geisteshaltung, eine Religion die sich ausbreitete. Es gab später auch Wikinger in Italien, Griechenland, Afrika oder den slawischen Staaten. Wer die nötige Geisteshaltung hatte konnte theoretisch Wikinger werden obwohl jemand mit Wikingerblut natürlich klare Vorteile hatte. Wie wir aber von Ibn Fadlan wissen, waren die Wikinger keinesweges fremdenfeindlich sondern im Gegenteil, sehr tolerant und Weltoffen. Und gastfreundlich. Zudem stammen die Wikinger von den alten Germanen ab (übersetzt "Speermänner") während sich das Wort Wikinger am ehesten mit Pirat übersetzen liesse. Auf Viking fahren war einen Raubzug unternehmen. Und schon die alten Germanen waren ethnisch gesehen vielfältig – hochgewachsene Blone mit blauen Augen, eher kleine braunhaarige, zierliche Rotschöpfe mit grünen Augen und due stämmigen aber nicht so grossen schwarzhaarigen. Die Kultur einte Germanen wie Wikinger überall auf der Welt. Jedenfalls, wie schon bei den Germanen der Vorzeit, war die Herkunft nicht über Zugehörigkeit entscheidend sondern der Entschluss, wo man sich niederlässt. Als die Goten (ursprünglich ein schwedischer Germanenstamm der später auch ein Wikingerstamm wurde) bei der Vlkerwanderung aufbrachen waren sie nur ein paar dutzend Menschen. Ais sie sich nach der Wanderung niederliessenw aren sie über 20.000 - nicht weil sie sich drastisch vemehrt hatten sondern weil sich ihnen andere germansiche Stämme aber auch Römer anschlossen und dadurch kurzerhand Goten wurden. Auch bei den Wikingern war Wikinger, wer sich ihnen anschloss ungeachtet seiner Herkunft, solange er sich an die Regeln hielt und der Gemeinschaft half.

    Stämme: Während es stimmt, dass die Wikinger vor 800 n. Chr. Wirklich kleine Stämme waren die sich in Dorfverbänden organisierten und sich gegenseitig die Schädel einschlugen, erwuchs aus ihnen im Frühmittelalter eine stark geeinte Front die im restlichen Europa nicht zu finden war (ausser Byzanz) Durch ihre Religion und den göttlichen Auftrag die Götter überall an die Herrschaft zu bringen geeint, waren sie vielleicht die ersten "Kreuzritter" (eher Hammerritter dem Mjölnir entsprechend) Es bildeten sich recht schnell Wikingerstaaten die von grossen Königen regiert wurden. Auch wenn es nie ein riesiges Wikingerimperium gab (obwohl 2 mal in der Geschichte um haaresbreite ein solches entstanden wäre) so agierten die Wikinger doch miteinander und nicht gegeneinander und diese geeinte Front machte sie umso mächtiger.

    Hartgesotten: Obwohl es wirklich Wikinger gab die freiwillig in eisigen Gegenden wohnten, so war der Grund für ihre Eroberungszüge doch der, dass ihr karges Land nicht mehr genug bot um alle Einwohner zu ernähren. Die Wikinger waren eisige Kälte und rauhe Bedingungen gewöhnt, was sie sehr robust machte, aber wenn möglich gönnten sie sich doch lieber Luxus.

    Blonde Riesen: Warum auch immer, die meisten Menschen verbinden mit Wikingern blonde Riesen. Da ist aber nichts dran. Der durchschnittliche Wikingermann war 170 cm die durchschnittliche Wikingerfrau 165cm gross. Damit waren sie nichtmal wirklich grösser als die restliche europäische Bevölkerung der Zeit.
    Indess waren auch nur wenige Wikinger blond oder rothaarig. Spitznamen, Aufzeichnungen und Funde zeigen - die allermeisten Wikinger hatten braune oder schwarze Haare. Die norwegischen Wikinger waren grossteils mit schwarzen Haaren ausgestattet, wie auchn die Rus im Osten. Irische Wikinger hatten öfter einen Rotstich, aber auch Isländer. Die "blonden" Wikinger waren vor allem in Dänemark zu finden. (Diese stammten auch von den "blonden" Germanen - den Friesen - ab

    "Skandinaven" hier ausführlicher:

    Nun zuerstmal nannten die Wikinger sich selbst nicht Wikinger. Sie nannten sich zum Beispiel die Danen (Dänemark) oder die Rus (Rus(s)land) oder die Nordmänner (Norwegen) die französische Normandie wurde von Nordmännern erobert und ihnen überlassen so dass es ab da auch normannische Wikinger gab. Aber auch regionale bezeichnungen wie einfach "Isländer" waren üblich.
    Wikinger hiess so viel wie "Pirat" (Wörtlich vik - ing = "Bucht - Bewohner" - in Buchten haben sich diese Räuber oft versteckt) - auf Viking fahren hiess einen Raubzug zu unternehmen und hat sich irgendwann als Bezeichnung für die ganzen Wikingervölker eingebürgert. Zu Unrecht eigentlich, denn die meisten Wikinger waren keine Berufskrieger und Eroberer sondern Bauern und Handwerker. Die Händler waren oft auch zeitgleich Piraten - sie handelten mit denen die ihren Besitz verteidigen konnten und nahmen sich den derer, die das nicht konnten. Es gab aber auch Händler die wirklich nur Handel trieben. Wikinger waren aber wie weiter oben gesagt auch sehr begabte Künstler und Dichter und manche Wikingerkrieger wurden verstossen weil niemand mehr mit ihnen zu tun haben wollte. Es war eines Eroberungen durchzuführen - das brachte Ruhm - oder Leute auszurauben - das wurde als "jugendsünde" für jüngere Wikinger "übersehen" Wer dagegen auch später noch einfache Leute ausraubte anstatt ein richtiges Handwerk zu lernen oder wirklich zu erobern, der wurde als Dieb davongejagt.

    Was die Wikingervölker zu einer Kultur einte die man so bezeichnet war ihre Religion, ihre Lebensweise, ihre Bräuche, Sitten, Gesetze, ihre Kunst, Sprache und Schrift - was eben eine Kultur ausmacht.
    Egal ob die Waräger in Byzanz, die Rus in Kiev & Umgebung, die in Sizilien gelandeten Wikinger, die Isländer oder gar die fernen in Grön und Vinland lebenden Wikinger des Westens - sie alle sprachen die selbe Sprache (Altnordisch) hatten die selbe Schrift (Runen) beteten zu den selben Göttern und hatten die gleiche Kunst und Handwerksmethoden. Die Grundeinstellung des "Tapfer Leben" war ihnen allen eigen und bedeutete einfach sein Bestes zu geben im gewählten Lebensweg. Und das war wie gesagt selten der Krieg. So hatte auch jede Berufsgruppe ihr eigenes "Paradies" - Walhalla ist nur eines von vielen möglichen Paradiesen für Wikinger. Auch für die einfache Hausfrau, Knechte und Mädge gab es Paradiese. Und nirgendwo anders auf der mittelalterlichen Welt hatten die Frauen eine höhere Stellung als bei den Wikingern - beinah gleichberechtigt.

    Was die Haarfarben angeht sollte man Wissen, dass die skandinavischen Wikinger von Germanen abstammen - die Germanen hatten sich zur Zeit der Völkerwanderung von ihrer "Heimat" in Deutschland aus über ganz Europa ausgebreitet - im Süden bis Italien im Norden bis Norwegen im Westen bis Spanien.

    Die Germanen vermischten sich bald mit den Kulturen die schon da waren - Römer. Sie wurden christianisiert, "zivilisiert" und in die Gesellschaft integriert und waren nach ein paar Generationen nicht mehr von den Anderen zu unterscheiden. Die einzige Ausnahme bildeten die Germanen welche nach Norden zogen - die schwarzhaarigen Goten. und ein paar einzelne Anderer Stämme. Da oben in Skandinavien war vor den Wikingern "nichts" ausser ein paar ganz kleinen steinzeitlich lebenden Rudeln nomadisierender Samen. Jedenfalls wurden diese entweder vertrieben oder zogen sich freiwillig zurück in entlegende Gebiete.
    Wobei man annimmt, dass im Südschweden auch eine monolithische Kultur gelebt hatte, mit der es zu Krieg und dann Friede und Verschmelzung kam und die Geschichte der Wanen und Asen die Geschichte der schwedischen Einwohner (Wanen) und den germanischen Eroberern (Asen) ist.
    Da oben war alles "abgeschottet" und da dort nichts war, konnte sich die germanische Kultur dort erhalten.
    Als um ca. 700 nach Chr. die Germanen in Europa schon verschwunden waren, hatten sich in Skandinavischen Gebieten (Auch Dänemark) die Germanen immer noch erhalten und weiter entwickelt. Sie hatten die Waffenkunst ihrer Ahnen verfeinert wie auch generell die Kunst. Die Religion wurde mangels Klerus vereinfacht und nach dem Angriff auf Lindisfarne 793 nannte man die nordischen Germanen einfach Wikinger.
    Und mit ihnen alle welche diese Kultur teilten.

    Die Wikinger breiteten sich durch Eroberungen und Entdeckungen aus - im Westen siedelten sie in Grönland, Vinland (Neufundland) und da wo heute New York steht.
    Im Osten kamen die Wikinger des Stammes der Rus bis nach China und trieben regen handel mit Chinesen und Byzanz. Noch heute trägt das Land ihren Namen - Rus land.
    Im Süden kamen sie bis nach Nordafrika obwohl die südlichste echte Wikingersiedlung auf Sizilien war. Und im Norden besiedelten sie Island und kamen bis zum Nordpol.

    Um 1066 begannen die Wikinger wieder aus der Geschichte zu verschwinden - sie hatten viele Gebiete erobert und sich dort niedergelassen und vermischten sich mit der dortigen Bevölkerung. Und vor allem - sie wurden langsam Christen. Ab 1100 waren die Wikinger dann verschwunden. Die Normannen wurden voll integrierte Franzosen, die irischen Wikinger aus Irland vertrieben, die britischen Wikinger wurden durch William the Conqueror (selbst ein Wikinger) geeint, christianisiert und mit den Angeln der Insel vermischt. In Italien und Rusland das selbe Spiel - es wurde christianisiert, vermischt und die "wilden" Wikinger kamen durch Wohlstand zur Ruhe.
    Selbst in den skandinavischen Ländern verschwanden die Wikinger und es bildeten sich die christlichen Königreiche Norwegen, Schweden und Dänemark.
    Die Kolonien in Amerika starben aus - in Grönland wegen der härter werdenden Winter, in Vinland und New York wegen Auseinandersetzungen mit den Indianern.

    Allein in Island überlebten die Wikinger mit ihrer Kultur noch bis ca. 1600 nach Christus, in manchen Gegenden. Heute gibt es in Island noch eine kleine Gruppe "echter" Wikinger die auch zu den alten Göttern beten und die ideale ihrer Ahnen hochhalten.
    Dennoch hat Island immer noch ein Merkmal der Wikinger - die Sprache. Das moderne Isländisch ist fast die gleiche Sprache wie das wikingerische Altnordisch. Die Betonung ist etwas anders aber ansonsten - die selbe Grammatik, die selben Wörter, die selben Redewendungen

    Als kleine Anekdote - die Eriksaga berichtet, wie die grönländischen Wikinger christianisiert wurden. Eriks Frau war vor der Reise zum Christentum übergetreten - ein harter Schlag für Erik den Roten, war er doch wegen Mordes an einem Christen aus Island verbannt worden. (Er konnte die Christen nicht leiden)
    In Grönland angekommen sagte seine Frau "Ich werde nicht eher wieder mit dir Schlafen bis du nicht Christ bist und eine Kirche errichtet hast" - und in der Rekordzeit von nur einem Jahr, stand in Grönland eine christliche Kirche mit allem was man so braucht...
    Geändert von Estar_Odinson (21.11.2012 um 08:20 Uhr)

  3. #3
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    Demokratie: Sie hatten eine Demokratie und im Thing (Versammlung) konnte jeder Bürger mitbestimmen über alle Belange der Gemeinschaft, sie hatten hochentwickelte Kunst und Seefahrt, Gleichberechtigung...
    Andererseits war das "Rechtssystem" eben noch Älter. Mord und Ehebruch wurde einander gleichgestellt an Schwere und bei unklaren Schuldvberhältnissen gabs ein Duell zwischen Kläger und Angeklagtem - bis auf den Tod oder bis zur Aufgabe (und damit Eingeständnis das Verfahren verloren zu haben) - genannt der Holmgang. Man dachte die Götter würden dem zum Sieg verhelfen der im Recht war. Und letztlich war die Lösung ja pragmatisch - völlig wurscht wer nun Recht hatte, nach dem Holmgang war Ruhe.
    Frauen indess konnten falls sich jemand fand, einen Vertreter ernennen der an ihrer statt kämpfen sollte und mit dessen Sieg oder Niederlage ihr Schicksal besiegelt war

    Alkoholkonsum:

    Während es richtig ist, dass Alkohol aus der Wikingergesellschaft nicht wegzudenken ist (wie übrigens im GESAMTEN mittelalterlichen Europa) wird hier doch eine ganz falsche Vorstellung verbreitet.
    In der Tat war es eine der grössten Sünden für einen Wikinger und mit starkem gesellschaftlichen Abstieg verbunden, wenn er betrunken war.
    Im Havamal verbietet Odin selbst den Wikingern sich zu betrinken. Weiters wissen wir, dass Wikingergetränke (vor allem Met, manchmal auch Bier) einen sehr niedrigen Alkoholgehalt hatten (zwischen 1 - 2%) und das vergären lediglich zur Haltbarmachung diente für lange Schiffsreisen.
    Während trinken und feiern durchaus genehmigt war, so war es eine Sünde und Zeichen von Schwäche für einen Wikinger sich zu betrinken - genaugenommen, ab dem Punkt an dem der Verstand umnebelt ist (wörtlicher - wenn man den geist nicht in voller Klarheit zurückrufen kann) galt man als betrunken und das war verpönt. Duaerbesoffene Wikinger sind also ein Mythos der aber lustigerweise auf die Christen zutrifft - "Saufen wie ein Templer" war eine im Mittelalter weit verbreitete Redewendung für trinkfeste Personen da dgerade die Tempelritter dazu neigten Wein in Massen zu konsumieren - ein Grossmeister soll sogar in Wein gebadet haben.

    Fleischkonsum:

    Auch hier wird weit übertrieben. Für einen Wikinger war das "beste" Essen - Milchprodukte. Kein Nahrungsmittel wurde in der Wikingerkultur mehr geschätzt als Käse und kein Getränk mehr als Milch. Aber auch Butter war ein wichtiger Bestandteil der Esskultur. Aber auch andere "Erzeugnisse" wie Eier waren sehr begehrt.
    Danach folgte Brot. Gutes Brot war dem Wikinger einiges Wert - nicht zuletzt da es eher wenig davon gab im Norden.
    Nach dem Brot waren Gemüse und Früchte dran. Karotten, Zwiebeln, Äpfel, Pflaumen...was wuchs wurde genommen und gezüchtet und der Wikinger aß es gern. Auch Spinat erfreute sich hoher Beliebtheit.
    Im Anschluss kam das Hauptnahrungsmittel der meisten Wikinger - Fisch. Der Fisch war das ganze Jahr über verfügbar und wurde von den meisten Wikingern täglich verzehrt - kein Wunder also dass er als arme Leute essen galt und man froh war wenn es Abwechslung gab. Dennoch blieb es das wichtigste Nahrungsmittel.
    Und nun kommt das Fleisch - Fleisch war für die Wikinger ein etwas spezielles Nahrungsmittel. Für Bauern (also die allermeisten Wikinger) war Fleischkonsum ein Versagen des Bauern. Wer Fleisch konsumierte musste dazu seine Tiere töten, wer seine Tiere tötete konnte sie nicht mehr durchbringen und verlor Kapital (da keine Milch oder anderen Erzeugnisse hergestellt werden konten) Weiters galt Fleisch auch als minderwertige Nahrung. Dennoch wurden auch Tiere gehalten nur zum Zweck des Fleischkonsums (Schweine)
    Wild war gerade im hohen Norden durchaus beliebt und mangels anderer nahrungsmittel auch häufig konsumiert, generell aß der Wikinger aber nur Fleisch an Festen oder wenn er nichts Anderes hatte.
    Auch in Rezepten der Wikinger finden wir meist nur Fisch und Gemüse als Zutaten. Für Fleischspeisen sind keine Rezepte erhalten.
    Allerdings gab es noch ein wichtiges Nahrungsmittel für Wikinger - Nüsse. Vor allem die heimischen Haselnüsse wurden sehr gern gegessen und wohlhabendere Wikinger kauften auch Mandeln und Walnüsse aus anderen Gegenden.
    Das Gerücht des sich betrinkens geht eher auf eine Schilderung der Römer (Tacitus) über die Germanen zurück welche gewisserweiße die Vorfahren der Wikinger waren. Dort schildert Tacitus dass bei den Germanen Tag und Nacht gesoffen wird und sie sich gegenseitig im Suff erschlagen. Ob da was dran ist oder das nicht eher Propaganda war bleibt offen.
    Aber auch ein anderer Römer (Plinius) erwähnt, dass Bier weit verbreitet war und unter vielen Namen bekannt - über die Tringewohnheiten hüllt er sich jedoch in Schweigen. Es bleibt anzunehmen dass das germanische Bier, ähnlich dem Wikingerbier, sehr niedrigen Alkoholgehalt hatte - und wieviel man trinken müsste um bei einem Alkoholgehalt von 1 - 2% wirklich betrunken zu werden...ich denke da muss man wirklich die ganze Nacht trinken wie ein Loch.

    Werwölfe:

    Auch wenn man es nicht denkt, der Ursprung aller Gestaltwandler in europäischen Mythen liegt bei den Germanen / Wikingern. Einige ihrer fanatischen Elitekrieger (Berserkir - die "Bärenmänner" oder die Ulfhednar - "Wolfhäuter") trugen keine Rüstung im Kampf, nur Tierfelle um bedrohlicher zu wirken. Diese waren so legendär im Kampf wie furcherregend im Aussehen. Und schon waren die Legenden von Wesen geschaffen welche Menschen waren aber sich in Tiere verwandeln konnten und eine "Kampfgestalt" hatten halb Mensch halb Tier.

    Brutale Invasoren:

    Auch hier ist wenig dran. In der Tat wissen wir heute, dass nicht die Wikinger den "Krieg" gegen das Christentum angefangen haben sondern umgekehrt.
    Die Dänen wurden vom christlichen Süden bedrängt und angegriffen, da die deutschen Könige immer gern mit dem Schwert bekehrten. So kam es, dass ein Angriff der Deutschen auf die Dänen, 5000 dänischen Zivilisten - Frauen, Kindern, Greisen - das Leben kostete und unter dem Zeichen des Kreuzes eine dänische Stadt eingeäschert wurde.
    Daraufhin verbreitete sich die Geschichte und es waren letztlich die Norweger, welche sich sagten - entweder wir wehren uns oder werden abgeschlachtet.
    Die Antwort der Wikinger folgte ein Jahrzehnt später - die Wikinger hatten sich mehr oder weniger geeint - denn gegen die Christen MUSSTEN sie zusammenhalten wollten sie überleben - und sie griffen das Kloster Lindisfarne an - der Beginn der Wikingerzeit. Und es folgten weitere Klöster, denn für einen Krieg braucht man Geld und auf diese Weise kommt man leicht an viel Geld - mehr noch, durch die Entweihung heiliger Orte wird den Christen auch gezeigt, dass ihr Gott nicht allmächtig ist und sie verwundbar sind.
    Auch die Invasion Englands durch die Wikinger, in welcher die Wikinger beinah die ganze Insel beherrschten, wurde nicht von den Wikingern angefangen. Die Wikinger hatten 100 Jahre zuvor begonnen friedlich auf der Insel zu siedeln, als Heiden. Dann beschloss der König von England, dass alle heidnischen Wikinger in England getötet werden müssten - unter den Opfern der darauffolgenden Wikingerjagd befand sich auch die Schwester des Königs von Dänemark. Und dieser antwortete mit einer gigantischen Invasion Englands zu deren Ende er auch noch König über beinahe die ganze Insel wurde.
    Auch die 2. Invasion Englands durch die Wikinger (Harald Hadradr) ging NICHT von den Wikingern aus. Es war der vorige König Englands, welcher Harald das Reich (England) versprochen hatte wenn er stirbt. Im Gegenzug verlangte er von Harald, dass er sich bis zum Tod des Königs friedlich verhalte. Als der König Englands gestorben war, stahl sich ein Anderer Engländer die Krone und Harald reagierte auch die Schmach indem er England Angriff um die ihm versprochene Krone zu erobern.
    - aus dem Selben Grund griffen übrigens die Normannen an

    Odin...Ein sehr wichtiger Punkt ist der oft völlig falsch verstandene Götterglaube der Germanen und frühen! Wikinger. So war Odin keinesweges der oberste Gott wie etwa Zeus bei den Griechen, er war nichtmal unter den 3 wichtigsten Göttern, gerade mal unter den Top 10.
    Der wichtigste Gott und am meisten verehrte Gott war Freyr - der Gott männlicher Potenz, Schönheit, Fruchtbarkeit und auch für gutes Wetter zuständig. Gefolgt wird der vielverehrte von seiner Schwester Freya, welche für weibliche Potenz, Fruchtbarkeit, Liebe und Schönheit zuständig ist und zudem eine sehr wehrhafte Frau ist, als oberste Valküre. Auf Platz 3 folgt ein bekannterer Gott - Thor. Der Beschützer vor Naturkatastrophen aller Art, Beschützer der Ernte und Häuser. Auch er wurde natürlich fleissig angebetet. Auf Platz 4 folgt Tir (auch Tyr) der Gott des Mutes, der Tapferkeit und der Gerechtigkeit, der ideale Gott also um in einer ungerechten Welt zu helfen. Auf Platz 5 steht Njörd, der unter anderem um guten Fang beim Fischen angebetet wurde. Auf Platz 6 steht dann Ran, für sichere Reise bei Schiffahrt. Auf Platz 7 kommt nun Frigg, die um Hausfrieden und Freundschaft gebeten wurde.
    Platz 8 geht an den Gott Uller, der um Jagderfolg gebeten wurde, was in der damaligen Welt eine sehr wichtige Nahrungsquelle war.
    Damit kommen wir endlich zu Platz 9 der wichtigsten / meistangebeteten Götter - Odin. Odin war der Gott der Priester, Schamanen und Magier und wurde daher nur von einem eher kleinen Kreis der damaligen "Esoteriker" angebetet. Zum Glück zählt Odin aber auch als Gott der Herrscher, daher hatte er immerhin einige sehr einflussreiche Anbeter die auch einige finanzielle Mittel locker gemacht haben um Tempel zu errichten. Generell war Odin aber einer der "kleineren" Götter wenn es um Kult geht. Aber es erging ihm besser als Loki und Baldr, die es mitunter nie gegeben hat - jedenfalls hat man noch keinerlei Beweise für einen Loki oder Baldr Kult gefunden und die Vermutung liegt nahe, dass Snorri in der Edda die beiden Götter einfach mal dazuerfunden hat oder vielmehr, Baldr und Loki Decknamen für andere Götter sind. Im skaldischen Bereich war es üblich, ein Wesen mit Eigenschaften zu beschreiben - in der Tat waren Namen nur Wörter. "Odin" bedeutet übersetzt sowohl Geist (auch Verstand) als auch Poesie und Wut. Es war sehr gängig, Götter durch andere Bezeichnungen die sie umschreiben zu bezeichnen, so dass man vermutet, dass auf einem tiefergehenden Level Odin und Buri als auch Fimbultyr das Selbe wesen sind, so wie auch Ve und Loki das selbe Wesen sein könnten, wie auch Ymir und Heimdall und einige Andere. Vor allem Freya scheint unzählige Namen zu tragen, so dass Freya allein in etwa die Hälfte der in der Edda auftauchenden Göttinnen darstellen könnte.
    Zur Verdeutlichung: Ein Name ist David, das heisst übersetzt aus dem hebräischen "Der Geliebte" Der Biblische David war ind er Tat "der geliebte" - seines Volkes wie auch seiner zahlreichen Frauen. Ob er von geburt an so hiess? Vermutlich nicht. Es ist eher eine Umschreibung. Ebenso könnte man den "David" der moderne umschreiben mit "den Vater 3er Kinder" oder "den bankaufmann" oder "den tennpisspieler" oder "den Mann von Anna" (frei erfunden die Personen) und so weiter und alle diese Bezeichnungen würden Aspekte der selben Person darstellen. In der skaldischen poesie war es sehr üblich, Menschen durch Metaphern darzustellen und nicht durch Namen. Dass das auch auf Götter zutrifft ist wohl nicht anzufechten da allein Odin an die 20 Beinamen hat unter denen er bekannt ist
    Ein Beispiel wäre noch "Der Kaiser" - und jeder Fussballfan weiss, wer damit gemeint ist

    Toleranz:
    Ja Wikinger waren sehr tolerante Menschen. Das hatten sie schon vom germanischen Erbe. Es war schon immer wichtig, sehr gastfreundlich zu sein - Gäste konnten mythologisch ja auch Götter sein die ihr Volk prüfen. Es war also völlig egal welche Hautfarbe, Nationalität, Religion oder Geschlecht der Gast hatte, solange er das Gastgebot nicht verletzte war er heilig und wurde aufs Beste bewirtet. So war die Gesellschaft sehr offen für Neuzugänge - in der Tat konnte JEDER freie Mensch, welcher die Sprache sprach, ein "echter" Wikinger werden mit allen Rechten die ein geborener Wikinger hatte. Bei den Germanen gab es Römer, welche in der Hierarchie der Stämme aufstiegen und auch bei den Wikingern gab es Krieger aus anderen Kulturen.
    Wichtig war nur, dass man sich in der Gemeinschaft engagierte und beteiligte - ein Teil wurde. Es durfte auch jeder die Religion verfolgen die er wollte, solange er sich nicht aufdrängte damit.
    Geändert von Estar_Odinson (25.11.2012 um 12:31 Uhr)

  4. #4
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    Homosexualität & Transexualität:
    Nun abgesehen davon, dass Wikinger sehr treu waren, waren sie mal verheiratet ist das "moderne Menschen" interessierende Thema Homosexualität. Es gibt genug Quellen die belegen, dass Homosexualität in der Wikingerkultur ohne weiteres akzeptiert war. Homosexuelle Wikinger wurden weder verfolgt noch gesellschaftlich benachteiligt oder diskriminiert. Der einzige Punkt war, wenn einer der beiden Partner das Kriegerhandwerk ausübte, musste er "beweisen" dass er der "männliche" Part in der Beziehung ist und nicht der "weibliche" Kurzum dass er der penetrierende und nicht der penetrierte Partner ist.
    Das war insofern wichtig, als dass seine Kameraden ansonsten seine Männlichkeit angezweifelt haben und ihn nicht mehr als Krieger sahen mit allen dadurch entstehenden Nachteilen. Es gibt Berichte, wo ein solcher Krieger vor dem versammelten Dorf öffentlich damit angibt wie er seinen Partner genommen hat, um zu bestätigen, dass er der Mann in der Beziehung ist und das Recht hat ein Krieger zu sein.
    Ein Fuðflogi (wörtlich Vaginaflüchter - also vor weiblichen Geschlechtsorganen weglaufender) war ebenso akzeptiert wie eine Flannfluga (Penisflüchterin)
    Noch interessanter wird der Punkt, dass selbst Transsexualität bei Wikingern bekannt war und akzeptiert wurde. Ein "Seidberendr" - bedeutet soviel wie eine "Unterleib durch Magie" - gemeint ist ein verändertes Geschlechtsorgan. Die Transexuellen hatten aber keinesweges ein Stigma! In der Tat wurden alle Menschen, die sich nicht in die sehr strengen Geschlechterrollen zwängen konnten oder wollten als Transvestiten bezeichnet - das galt ebenso für kriegerische Frauen wie für Männer die sich mit Magie und Mythologie befassten. Schamanen, Magier und "Hausmänner" wurden ebenso als Transvestiten bezeichnet, wie Frauen die eine männliche Rolle als Jäger, Krieger oder Handwerker einnahmen und natürlich jene, die sich einfach gern in den Sachen des anderen Geschlechtes kleideten.
    Das war allerdings KEINE Diskriminierung - sie alle hatten immer noch die selben Rechte wie zuvor. Also ein männlicher Transvestit hatte immer noch das Recht ein Krieger zu sein, als freier Mann Stimmrecht im Thing etc. Allerdings durfte er sich einige Spässe und Witze über seinen Lebenswandel anhören. Ausnahmen bildeten Schamanen, Magier und Priester die in der Gesellschaft hoch geachtet waren sowie Männer die zurückhauen konnten.

    Dazu gehörend - die Frage nach dem warum? Nun die nordische Kultur hatte klar definierte Geschlechterrollen und Aufgabenteilung, aber ohne kirchliche Doktrin oder sexuelle Moral. In der Mythologie sind viele Götter Gestaltwandler und manche Götter wandeln auch ihr Geschlecht. In der Magie ist der Rollenwechsel ein zwingender Bestandteil der Initiation und wird auch in anderen Kulturen - vor allem schamanistischen Kulturen - praktiziert um den Geist und das Bewusstsein zu erweitern. Je verfahrener man auf seiner Geschlechterrolle ist umso mehr gewinnt man dadurch.
    Menschen die nicht in die sehr wichtigen Geschlechterrollen passten, waren für Wikinger keine Freaks, Kranke oder Unzüchtige wie bei den Christen - Kinder die nicht in Geschlechterrollen passten, wurden in der Magie unterwiesen, denn sie galten als magisch und von den Göttern auserkoren in deren Lehren einzudringen (der Teil seid in der Bezeichnung von Transvestiten kam von seidr was soviel wie Magie bedeutet) Sie hatten ihren Platz in der Gesellschaft als Seher/innen) Berater/innen) Priester/innen, Magier/innen und auch Führungspersönlichkeiten. Denn die Gunst der Götter war ihnen ja sicher. Und sie galten als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, wurden mit allen Ehren behandelt und bestattet wie jeder Andere. Auch im Krieg waren sie von Bedeutung - kein Kriegsherr wagte gegen den Rat einer Seherinn in die Schlacht zu ziehen und die Magier wirkten Runenzauber auf Waffen und Rüstungen und manche kämpften selbst mit was die Moral der Übrigen sehr hob, sprach man diesen Kämpfern doch besondere Gunst der Götter und magische Kräfte zu wodurch sie potentiell mehr ausrichten konnten als einfache Krieger. Für Berserkir und Ulfhednar hatten diese Menschen noch grössere Bedeutung aber das führt zu weit.
    Die Kurzfassung bleibt, dass die damaligen Wikinger weit toleranter waren, als wir es heutzutage sind. Gibt aber auch andere Kulturen auf die das zutrifft - scheinbar sind es gerade die abrahamischen Religionen, welche die Intoleranz verbreiten.
    Die Wikinger jedenfalls liessen jedem das Seine, solang er sich in der Gemeinschaft beteiligte und verdient machte.

    So das wärs fürs Erste...wenn ihr Fragen zu den Punkten habt, drüber diskutieren oder mehr drauf eingehen wollt nur zu ^^

  5. #5
    Wär gern cool Lady_Omamme befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Lady_Omamme
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    Lächeln

    Habe mir gerade deinen langen langen Beitrag durchgelesen, danke für die vielschichtigen Infos.
    mich hats interessiert und ich werde sicher zu dem ein oder andern Thema noch etwas vertiefendes lesen.
    Gruss Omamme

  6. #6
    Wär gern cool Estar_Odinson befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Estar_Odinson
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    Monotheisten, Polytheisten, Pantheisten?
    Eine schwierige Frage. Generell kann man bei den Wikingern Monotheismus ausschliessen obwohl mir keine einzige Religion bekannt ist, die WIRKLICH Monotheistisch wäre, (Monotheismus - "Ein Gott Glaube") da auch bei den abrahamischen Religionen (Christentum, Islam, Judentum) nicht nur der "eine" Gott angebetet wird sondern auch Heilige, Propheten und Engel was eher polytheistisch ist.
    Polytheisten waren mit grosser Wahrscheinlichkeit die meisten Wikinger - das "einfache Volk" der Handwerker, Hausfrauen, Bauern etc. Sie glaubten also an viele Götter und beteten zu vielen Göttern (Polytheismus = "viele Götter")
    Aber es gibt sehr sehr viele sehr deutliche Hinweise darauf, dass zumindest die Skalden ("Geschichtserzähler") die Goden (Priester) die Magier, Schamanen und auch Herrscher Pantheisten waren. Und natürlich die Seherinnen und Hexen etc. Das wird sehr deutlich wenn man die Edda liest, die Sagen begutachtet oder die Inhalte von Tempeln. Es gab eine tiefe spirituelle Lehre im nordischen Glauben die nur wenigen Initiierten gelehrt wurde (eben die besagten) vom Pantheismus (Pan = "All" also "Allgott")
    Im Pantheismus glaubt man, dass es nur einen grossen gewaltigen Allumfassenden Gott gibt, der aber nicht wie im Monotheismus ausserhalb seiner Schöpfung steht, sondern die Schöpfung in der Gesamtheit ist. So wie der menschliche Körper aus Milliarden individueller, bewusster Lebewesen besteht (Zellen) so besteht der "Allgott" aus allen Wesen seiner Schöpfung. Das heisst, jeder Gott, jede Göttin, jeder Riese, jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze sind für sich Individuen und Real und haben diverse Wirkungen sind aber letztlich alle nur Teile des EINEN Gottes und durch diesen Verbunden. Im nordischen Glauben gibt es mehrere Gottheiten die für den "Allgott" gehalten werden. Als obersten Kandidaten haben wir Fimbultyr, der "Alleine" der aller Anfang war. Er ist quasi das Äquivalent zum christlichen Gott wobei unklar ist, ob er nicht später "erfunden" wurde.
    Ein weiterer Kandidat ist Odin, dessen Namen "DER Geist" bedeutet. Im Havamal spricht er von sich selbst als den EINEN Gott aus dem alles hervorging und er wird auch als "Allvater" betitelt Zudem ist sein Name so vielschichtig dass er wirklich viel umfasst. Zudem ist er auch ein Gestalt und Geschlechtswandler ihn erst recht zu diesem Posten erheben könnte.
    Ein weiterer Kandidat ist Heimdall dessen Name "die grosse Welt" bedeutet, der alles sieht und alles hört und dessen Stimme durch die ganze Schöpfung hallt.
    Freya ist ebenfalls Kandidatin - sie wird sehr oft als "die grosse Göttin" dargestellt und man kann jede andere weibliche Gottheit als Freya deuten da Freya sehr umfassende Eigenschaften hat. Sie könnte zumindest das weibliche Prinzip darstellen.
    Wer letztlich der "Allgott" ist bleibt offen und vermutlich hatte jede Mysterienschule ihren eigenen Kandidaten. Zum Schluss bleibt zu sagen, dass Wikinger sowohl Polytheisten als auch Pantheisten waren.

  7. #7
    Wär gern cool Captain_Sparrow befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Captain_Sparrow
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    Daumen hoch

    war das deine Doktor-Arbeit?

    ist ja schon interessant, was es alles über Wickies zu berichten gibt...

  8. #8
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    Es gibt noch vieeeel mehr zu Wissen ^^ Das Problem ist, dass eher wenig Menschen wirklich Interesse an Wissen haben. Viele nehmen ohne Recherche oder Kenntnis eine völlig überzogene Ideologie her ohne deren Wurzeln oder Bedeutung zu kennen um damit ihre Ansichten zu rechtfertigen. Das bezieht sich nicht nur auf "Neuheiden" oder "Neovikings" die oft erstaunlich wenig mit ihren Vorbildern zu tun haben und sich aufführen wie "Nidingr" - also in der damaligen Kultur davongejagt worden wären, sondern auch Christen. Nehmen wir die christliche Lehre wie sie in der Bibel steht, hätte es nie Kreuzzüge, Inquisition, Rassismus, Nationalismus und Co geben dürfen - immerhin lehrt das Christentum vor allem Anderen die Nächstenliebe. Und doch wurde die Lehre Jesu extremst verunstaltet und missbraucht. Das Selbe Schicksal ereilte die Germanen im "3. Reich" wo eine Ideologie gänzlich ohne Bezug zur Realität missbraucht wurde. Wie erwähnt waren Germanen (und Wikinger) sehr Fremdenfreundlich, das Gastrecht war heilig. Ein Wikinger hätte eher die Nazis aus dem land gejagt denn die Ausländer.
    Anyway - ich finde es ist immer von Vorteil wenn man sich ernsthaft mit einem Thema befasst und sich über die wahren Hintergründe informiert. Ansonsten steht man nach Jahrzehnten da und muss zugeben dass man nichts über seine gewählte Kultur doer Religion weiss, das sit schon hart.

    Kommen wir zu einem positiven Vorurteil das weit verbreitet ist. Heldenmut, Tapferkeit und kriegerisches Geschick:

    Die Quellen darüber sind sehr zahlreich - archäologisch gesehen finden wir bei Wikinger und Germanengräbern fast ausnahmslos Waffen, selbst bei Frauengräbern, was den hohen Stellenwert der Bewaffnung darstellt. Weiters Wissen wir von zahlreichen Schlachtfeldern, dass diese Stämme ständig im Krieg waren - entweder mit Nationen oder untereinander. Viele der gefunden Toten (die allermeisten Männer) trugen deutliche Zeichen von Krieg - Narben, Kerben oder auch tödliche Wunden (Spuren an Knochen)
    Zusammen mit historischen Quellen können wir davon ausgehen, dass fast jeder Mann der damaligen Gesellschaft mehrmals in seinem Leben gekämpft hat - sei es um die Ehre seines Clans zu verteidigen in einer Fehde, sei es bei Überfällen / Eroberungen oder um seinen Besitz zu verteidigen. Die Zeiten ware äusserst gewalttätig. Auch in der Mythologie finden wir Kampf und Krieg als wichtiges Thema und letztlich kann man davon ausgehen, dass die Religion in erster Linie dazu diente, die Menschen auf den Tod vorzubereiten - kein Wunder, denn der Tod war etwas alltägliches und konnte jederzeit zuschlagen. Es war nicht wie heute, dass man Pläne für die Pensionierung machte - man manchte selten Pläne über mehr als 2 Jahre, denn wer weiss schon ob er da noch lebt.
    Auch in der Sprache finden wir hinweise darauf. Eine Frau die freiwillig verhungerte sagte nicht "ich gehe in Hungerstreik" sondern "ich werde erst an Freyas tafel essen" und jeder wusste was gemeint war. Oder ein Schiff das dem Untergang geweiht war - der Kapitän sprach nicht "Wir werden alle ertrinken!" Sondern "Freut euch Leute! Heute vögeln wir Ran und ihre Töchter!" (Meeresgöttin) In der Tat wurde der Tod sehr oft mit dem Liebesspiel verglichen und meist als etwas sehr positives, schönes dargestellt nicht als etwas das man fürchten muss.
    Zudem wie gesagt auch die Paradiese vielfältig waren, da war für jeden Menschenschlag etwas dabei. Nicht nur Valhalla für Krieger (eine Halle in Gladsheim), auch Bilskinir für die einfachen Leute, Breidablick für Heiler, Ydalir für Jäger, Landwidi für eher Einzelgängerische leute, Fensal für die Hausfrauen, Folkwang für die Seherinnen, Sökkwabek für die Poeten und so weiter. Selbst das berühtme Helheim war keinesweges nur für die Ehrlosen mit Höllenartigen Gegenden, sondern war auch mit wunderbaren Räumen ausgestattet die eher an die elysischen Felder Griechenlands erinnern oder das paradies der Christen wo die Göttin denen die gut waren im Leben Freuden bereitet.

    Wichtig ist hier zu merken, dass der Tod für die Germanen / Wikinger etwas schönes war, nicht etwas furchtbares. Das erkennen wir auch daran, dass einige von ihnen den Freitod wählten, entweder als Opfer für einen Gott, durch gezielten Selbstmord um durch die Art des Todes in ein spezielles Jenseits zu kommen (so führt etwa Ertrinken zu Ran) oder durch suizidale Tendenzen im Kampf - Berserkir und Ulfhednar. Berühmt seit der Römerzeit waren diese Fanatiker Anhänger eines Odinskultes - und wir Wissen, zu Odin kommt nur wer tapfer lebt, kämpft und stirbt. Wo geht das besser als auf dem Schlachtfeld? Eben. Also zogen diese "Irren" meist ohne Rüstung oder nur in Tierhäuten (Bär oder Wolf - Berserkir = "Bärenmann" Ulfhednar = "Wolfhäuter") angeblich auch nackt in den Kampf - sie erwarteten nicht die Schlacht zu überleben sondern stürzten sich tapfer in den Kampf und hofften auf den Heldentod - gaben ihr bestes und überlebten öfter als ihnen recht war.
    Man muss Bedenken, dass Religion damals alles war was man wirklich hatte. Hungersnöte und Epidemien waren normal, was man besaß konnte jederzeit geraubt werden und keiner wusste ob er das nächste Jahr noch erleben würde. Religion war Trost, Sicherheit und bereitete vor. Sie war den Menschen wichtiger als alles Andere und wurde sehr ernst genommen.
    Dazu kommt, dass man glaubte, die Zeit des Todes stünde von Geburt an fest. Man hat zwar in der Hand was man mit seinem Leben anfängt (ausgenommen wenige mit "göttlichem" Schicksal) aber nicht wieviel Zeit man hat. Wem an seinem 30. Geburtstag der Tod bestimmt ist wird unweigerlich sterben - egal ob er beim Scheissen umkippt, am Kuchen erstickt oder in der Schlacht fällt. Also suchte man den ehrenvollen Tod - die erwähnten Fanatiker gingen davon aus, dass sie keine Rüstung brauchen. Sie KONNTEN ja gar nicht sterben AUSSER der Tod war ihnen an dem Tag ohnehin bestimmt und dann hilft auch die beste Rüstung nichts.
    Man darf nicht vergessen, dass Religion damals Wissen und Gewissheit war. So wie wir heute Wissen, dass die Erde eine Kugel ist und um die Sonne kreist, so wussten die Menschen damals, dass ihr Todeszeitpunkt bestimmt ist und sie nicht früher oder später sterben können, egal was sie tun.

    Von diesem Hintergrund aus ist die Furchtlosigkeit gut erklärbar. Weiters ist ein Krieger der Kultur durch Dramen gezeichnet gewesen - wer 20 wurde hatte meist schon viele enge Freunde und Familienangehörige verloren, nicht selten im Kampf. Gewalt war alltäglich, da stumpft man ab.
    Auch die Initiationsriten und diverse Kulte waren "brutal" und nicht selten mit Verstümmelung, Nahtoderfahrungen und Vernarbung verbunden. (So musste manch angehender Magier, Odin gleich, ein Auge Opfern und sich 9 tage und Nächte mit einem Speer an eine Eiche stecken lassen...und nicht jeder hat das überlebt)

    Weiters waren germanische und wikingerische Männer Krieger - ganz egal welcher Profession sie nachgingen, ob Handwerker, Händler, Bauer, ob König oder Poet - sie wurden von Kindesbeinen an auf den Kampf vorbereitet und waren mit 20 meist schon erfahrene Veteranen die mehrere Waffen gemeistert hatten. In der Tat berichtet etwa die Jomswikingersaga, dass schon 12 Jährige nicht nur als Krieger in Schlachten kämpften, sondern mitunter auch als Führungspersönlichkeiten angesehen und in elitäre Kriegergemeinschaften aufgenommen wurden. Auch die Tatsache, dass manche Kriegerbünde ein Mindestalter von 18 vorsahen, lässt vermuten, dass viele Krieger aus heutiger Sicht Minderjährig waren.

    Neben ihrer hervorragenden Kampfausbildung die im Vordergrund stand und damit anderen Kriegern der Zeit überlegen waren, waren auch ihre Waffen und Rüstungen besser als die anderer Krieger der Zeit. (Nicht unbedingt gewaltig aber doch spürbar)
    Und sie verbreiteten vor allem eines - Furcht. Der Furcht Faktor begründete sich auf mehrere Dinge. Zum einen waren Wikinger dafür bekannt, niemanden der sich ihnen in den Weg stellte am Leben zu lassen. Sie waren da beinhart und kaltherzig. Wer sich ergab wurde verschont, wer aber die Waffe erhoben hatte wurde Niedergestreckt. Dieses Wissen drängte viele ihrer Feinde zur Aufgabe noch bevor überhaupt ein Kampf begonnen hatte. Auch einige Städte zahlten immense Tributszahlungen freiwillig (darunter Paris) um einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Die Wikinger verdankten ihrem Ruf so viele Siege, dass manche nichtmal mehr ihre Rüstungen anzogen wenn sie auf eine Stadt zumarschierten in der Überzeugung, die Feinde würden sich sowieso ergeben – was so oft stimmte, dass es einem Wikingerkönig später zum Verhängnis werden sollte doch dazu ein andermal. Ihr Ruf hatte aber auch andere Säulen – die berühmten Drachenschiffe hatten abnehmbare Drachenschädel (Schnitzereien) auf dem Bug, so dass die abergläubische Bevölkerung des Mittelalters in der Tat dachte, Dämonen würden kommen, zumal Wikinger die meisten militärischen Erfolge in England verzeichnete das auch gern in dickem Nebel liegt. Dann sprangen dutzende Krieger schreiend aus den "Drachen" heraus und griffen ohne zögern, ohne Gnade an. Wikinger kämpften offensiv, immer. Nicht dass sie mit ihren berühmten Schildwällen, nicht unählich der griechischen Phalanx oder römischen Schildkröte nicht auch gute Taktiken gegen Pfeilbeschuss oder anstürmende Feinde gehabt hätten, aber Wikinger verteidigen nicht, sie rücken vor. Was bei einer Schlacht in Schottland berühmt wurde – die Wikinger trafen mit relativ wenigen Leuten auf einer kleinen Insel ein. Die Schotten warteten bereits, in deutlicher Überzahl, am Ufer. Als die Ebbe kam, legte das Meer einen schmalen Steg frei – und die Wikinger, entgegen jeder taktischen oder strategischen Vernunft, marschierten über den schmalen Steg, hinterieinander in die Schotten hinein. Eigentlich eine Selbstmordaktion, aber den Wikingern war es gleich und sie zogen weiter und kämpften mit so einer Wildheit, dass sie die Stellungen der Schotten durchbrechen und schliesslich die Schlacht gewinnen konnten. Auch bei Stamford Bridge bewiesen sie Mut und Wildheit und man sagt ein einzelner Krieger habe 50 Feinde erschlagen bevor er durch Hinterlist den Tod fand. (Er hielt die Brücke)

    Bei zahlreichen Eroberungen und Schlachten bewiesen die Wikinger ihre Tapferkeit - in historischen Erzählungen der Römer und des Mittelalters finden wir ihren Mut hoch gelobt. Eine Saga berichtet etwa, dass ein Krieger in der Schlacht das Schild wegwarf und mit nur einer Hand seine Axt schwang - während er mit der anderen Hand seine Gedärme im Leib hielt welche durch eine Wunde am Bauch quollen.
    Und mehr als Einmal wird berichtet, dass Berserkir mit abgeschlagenem Bein und Arm weiterkämpften oder ob tödlicher Wunden (etwa Pfeile im Oberkörper) lachten und nur umso wilder kämpften. Dass addierte zum Ruf, diese Leute seien Dämonen und manch ein Gerücht sagte, man könne diese Krieger nur töten wenn man ihnen den Kopf abschlägt.
    Gefangenschaft war für die Germanen schlimmer als der Tod - auch da gibt es Berichte, dass besiegte Armeen sich selbst umbrachten. Auch die Frauen - so hiess es, die Frauen feuerten ihre Männer mit entblössten Brüsten an und als die Schlacht verloren schien, erwürgten sie ihre Kinder und erhängten sich dann mit ihrem eigenen Haar.
    Ein Schreiber sagte treffend "Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit"

    Jedenfalls gibt es so viele Berichte über den Mut und die Tapferkeit dieser Menschen, dass man hier kaum übertreiben kann.
    Geändert von Estar_Odinson (21.11.2012 um 07:23 Uhr)

  9. #9
    Möchtegern Visha befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Visha
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    Standard

    Du hast echt keine anderen Hobbys oder ? =D


    Versteh mich bitte nicht Falsch ...
    Ich finde es KLASSE !!


    Mach bitte weiter so!

    Ich für meinen Teil, verfolge gerne sämtliche Beiträge von dir =)

    Grüße
    Visha

  10. #10
    Wär gern cool Estar_Odinson befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Estar_Odinson
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    ^^ Wenn ich nicht so viele andere Hobbies hätte wär das Leben viel einfacher für mich. Leider hab ich den Tick nicht nur in Geschichte allgemein (auch Mittelalter fasziniert da kann ich über die Kreuzzüge und Templer schwadronieren wie hier, oder antikes Rom und Griechenland^^) sondern auch in Biologie (vor allem Evolutionsbiologie und Genetik) Physik (Quantenphysik generell aber auch Astrophysik find ich äusserst spannend) Medizin, Paläonthologie...wenn mich mal was interessieren würde das gute Jobaussichten hätte...derzeit versuche ich Kurse über altnordisch und protogermanisch zum Laufen zu bringen ^^
    Aber ja, Wikinger & Germanen nehmen auch einige Freizeit von mir in Anspruch^^ Und als Altenpfleger hat mand en Vorteil manches mal mit Leuten in Kontakt zu kommen, die einem viel erzählen können. Und wär ich nicht so ein Trekkie & Star Wars Freak hätte mehr nützliches Wissen Platz als klingonische Soziologie...für Kenner der Big Bang Theorie Serie - ja ich bin ein Nerd irgendwo zwischen Lenard und Sheldon. Zum Glück gibts auch weibliche Nerds, meine Frau ist was Star Wars angeht deutlich bewanderter.

    Anyway, es freut mich sehr, dass diese Infos hier gut ankommen also mache ich mal weiter:

    Hintergründe:
    Hier möchte ich die bisherigen Punkte ein wenig vertiefen und verständlicher machen, wie die Menschen damals dachten. Immerhin ist die Denkweise eines Volkes der Schlüssel zu ihrer Kultur und Religion. Das mit dem Kampf und Sicht des Todes habe ich abgehandelt, kommen wir also zu Gastfreundlichkeit, Gleichberechtigung und Toleranz.

    Betrachten wir zuerst die WELTLICHE, pragmatische Sicht der Dinge:
    Wir müssen uns in ein Volk versetzen, das sozusagen täglich ums Überleben kämpfte. Die Germanen und Wikinger erwirtschafteten selten Überschüsse, oft waren die Winter sehr hart und viele Menschen starben sehr jung an Krieg, Krankheit oder Naturunglücken. Nicht jdes Kind erreichte Erwachsenenalter, manche Frauen starben im Kindbett (wobei das bei den Wikingern weit seltener vorkam als in Mitteleuropa) und es gab einen HAUFEN Arbeit zu tun. Es mussten Häuser gebaut und in Stand gehalten werden, Felder mussten bestellt und geerntet, Fische gefangen, Met gegoren, Holz gehackt, Schiffe mussten gebaut und Dörfer verteidigt werden.
    Die "Ressource" Mensch war rar und man konnte nicht genug davon haben. Jeder wurde gebraucht und damit es gut funktionierte wurden die Aufgaben verteilt - die Alten kümmerten sich um Ausbildung der Jungen, die Frauen sorgten für Haushalt und Versorgung, die Männer für Nahrung, Schutz und Bau. Die "Anderen" welche nicht in die Rollenbilder passten wurden kurzerhand in der Magie unterwiesen und wirkten mächtige Zauber, baten die Götter um Hilfe und waren seelischer Beistand für alle - und der war bitter nötig.
    Man konnte sich Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit nicht leisten - jeder der mit anpacken konnte wurde dringend benötigt, denn zu tun gab es mehr als genug, egal in welchem Bereich.
    Egal ob Fremd, Homosexuell oder sonst "anders" jeder wurde dringend gebraucht und konnte einen wertvollen Beitrag zur Gemeinschaft leisten und jeder der das Tat war herzlich als einer der "unsrigen" also des Clans willkommen. Das Gastrecht war heilig, denn der Gast konnte Berichte abliefern oder auch mit anpacken und wenn es ihm gefiel sogar ein Teil der Gemeinschaft werden. Manche Historiker meinen, dass es auch "Schwarze" also afrikanische Wikinger gegeben haben könnte da der Name "Svartr" "ein Schwarzer" bedeutet. Viele meinen das beziehe sich allein auf die Haarfarbe und anhand der Häufigkeit des Namens ist das anzunehmen, es ist aber auch durchaus möglich, dass Schwarze aufgenommen wurden. Auch wenn Schwarzafrikaner im mittelalterlichen Europa selten waren, so waren sie nicht unbekannt und theoretisch könnte es Einzelne solche Wikinger gegeben haben. Spekuliert wird dass Halfdan der Schwarze ein solcher gewesen sein könnte.
    Wie dem auch sei, jeder Mensch war wichtig und wertvoll für die Gemeinschaft.
    Menschen dagegen die der Gemeinschaft schadeten wurden in Schande weggejagt (bezeichnet als Nidingr - Ehrlose, Abschaum) das waren Diebe, Mörder, Ehebrecher etc.

    Warum waren das so schwere vergehen? Mord ist klar - wer ein nützliches paar Hände umbringt schadet der Gemeinschaft gewaltig. Diebe - auch klar, wer egoistisch ist und sich auf Kosten der Gemeinschaft bereichert nimmt eventuell jemandem das Leben der deswegen hungern muss.
    Ehebruch? Ich denke dafür muss ich ein wenig ausholen:

    Die Rolle der Frau:
    Die Gesellschaft der Wikinger lebte in Clans zusammen - grösseren Familienverbünden. Allerdings war den Germanen bzw. Wikingern Inzucht verboten, das galt als Blutschande. (Vermutlich wusste man um die schädlichen Auswirkungen des Inzest aus anderen Kulturen wie etwa den Kelten bei denen Ehen zwischen Geschwistern normal waren)
    Also mussten Zwecks Heirat Partner aus anderen Clans genommen werden. Das hatte auch eine wichtige soziologische Bedeutung die ich kurz erklären möchte:
    Wie gesagt war die damalige Zeit ewalttätig und Überfälle eines grossen Clans auf kleinere Clans waren üblich - erneut, die Menschen hatten sehr wenig und Überfälle waren eine gute Möglichkeit den eigenen Clan durch den Winter zu bringen und manchmal sogar die Einzige wenn etwa die Ernte sehr schlecht war. Gewalt war also oft die letzte Möglichkeit den eigenen Clan zu retten und so musste jeder kämpfen können um im ernstfall den Clan verteidigen zu können. Auch von Frauen nimmt man an, dass sie als Bogenschützen an den Kämpfen beteiligt gewesen sein könnten (Stichwort Walküre) da man oft Bögen in Frauengräbern gefunden hat - kann aber auch auf Jagd hindeuten.
    Jedenfalls war die Bedrohung eines Überfalles stets präsent. Eine Heirat zwischen 2 Clans dagegen sicherte einigermaßen den Frieden. Man wurde ja zu "einer" Familie.
    Man nimmt an dass die mythologische Begebenheit des Asen - Wanenkrieges in grauer Vorzeit Realität war und zum Zeichen des Friedens wurden "Geiseln" ausgetauscht und ehen geschlossen (Freya, Freyr und Niörd gingen nach Asgard, Hoernir und Mimir nach Wanaheim) und vermutlich war es so auch zwischen den Clans üblich.
    Bei einer Heirat war es üblich, dass die Frau in den Clan des Mannes einzog ABER sie war und blieb den Rest ihres Lebens ihrem Geburtsclan zugeordnet. Ihre Kinder kamen zum Clan ihres Mannes aber sie selbst blieb eine Vertreterin ihres Herkunftsclans.
    Damit wurde die Frau zur Botschafterin zwischen den Clans und wurde auch so behandelt. Sie genoss diplomatische Immunität wenn man so will.
    Diese reichte sehr weit - ein Mann der seine Frau schlug provozierte damit eine Fehde und mehr als einmal kam es vor, dass eine geschlagene Frau ihren Clan zur Vergeltung aufrief, was viele Tote forderte. Berühmt war in einer Saga die Ohrfeige - in einem Streit gab der Mann, dem die Worte fehlten seiner Frau eine Ohrfeige. Ein paar Tage später wurde der Mann von den Brüdern der Frau erschlagen und eine lange Fehde der Clans begann. Ich betone, er hat sie nicht verprügelt oder echten Schaden zugefügt, es war "nur" eine Ohrfeige.
    Das mag auf den ersten Blick sehr barbarisch wirken, doch sehen wir uns die Hintergründe an:

    Bedenke - damals gab es keinen Sozialstaat, keine Hilfsorganisationen oder Asylantenheime. Und alleine Überleben war auch so gut wie unmöglich. Der einzige Rückhalt den ein Mensch hatte, die einzige Stütze, die einzige Hilfe auf die er sich verlassen konnte war der eigene Clan. Sollte man krank oder anders Hilfsbedürftig werden würde sich niemand ausser dem eigenen Clan mit Sicherheit um einen kümmern. Man wurde von Kindesbeinen an im Clan erzogen, der ganze Clan war Familie, Freund, Lehrer...der Clan war eng vertraut und wichtig, das ganze Leben hindurch. Nur in der Gemeinschaft des Clans konnte man überleben. Der Clan gab Geborgenheit, Sicherheit, Glück, Freundschaft etc.
    Der Clan war die Einzige Versicherung die man hatte - er war Altersvorsorge, Unfallversicherung, Krankenkasse, seelischer Beistand und mehr in einem. Den Clan in Gefahr zu bringen, hiess sich selbst in Gefahr zu bringen.
    Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, wie wichtig der Clan für das eigene Überleben und die Person war. Die Loyalität galt also dem eigenen Clan.
    Wie gesagt bekriegten sich Clans öfter untereinander bis später die Blutfehde verboten wurde und der Holmgang eingeführt, war Blutrache gang und gebe.
    Wundert das jemanden? Wie würde man denn heute reagieren wenn jemand die eigenen Eltern / Kinder / geschwister die man liebt umbringt? Eben, und damals war Selbstjustiz zwar ungern gesehen aber - bis in die Wikingerzeit hinein - erlaubt.
    Die Ehre des Clans war enorm wichtig für das Überleben des Selbigen. Ein Clan der als stark galt, wurde nicht angegriffen, ein Clan der als Schwach galt war viel öfter Opfer von Überfällen und wurde mitunter ausgelöscht. Ein Clan der seine Ehre verlor wurde von allen gemieden, daher gab es keine Möglichkeit zu heiraten und den Clan zu erhalten etc.
    Dementsprechend ernst wurde der Clan genommen. Eine Frau war nun Vertreterin ihres Clans im Clan ihres Mannes - durch die Heirat waren die Clans eine Allianz eingegangen oder zumindest einen Nichtangriffspakt. Wenn nun der Mann seine Frau schlug, schlug er ihren ganzen Clan mit. Wenn er sie demütigte, demütigte er ihren Clan und stellte diesen als unfähig dar die ihren, also sich, zu verteidigen. Ein Ruf der dem ganzen Clan gefährlich werden konnte. Also wurde dieser Akt der Schmähung auch vom Clan gerächt, nicht selten blutig.
    Zudem war die Ehe damals ein politisches Instrument - aus Liebe wurde selten geheiratet. Die Loyalität der Frau galt in erster Linie ihrem Clan, dann ihrem Mann, dann ihren Kindern. Beim Manne ebenso.
    Wenn ein Ehepartner mit den Taten des Anderen nicht leben konnte, gab es die Möglichkeit sich scheiden zu lassen - dabei kehrte dann die Frau einfach wieder in ihren Clan zurück und der Bund galt als aufgelöst.

    Frauen waren der Triebmotor der Politik - sie waren die Verfechterinnen der Tugend welche ihren Männer und Familie zu Tugendhaftigkeit, Sittsamkeit und Ehrfurcht vor den Göttern und deren Gesetzen einbläute, denn deren Ruf war ihr Ruf und damit der ihres Clans. Ein Säufer als Mann? Undenkbar, entweder kommt er zur Vernunft oder sie lässt sich scheiden etc.
    Auch ihrem Clan gegenüber zögerte keine Frau ihre männlichen Clansgenossen zu ehrvollem Gebahren aufzurufen und dem Ruf wurde gefolgt.

    Weiters galten Frauen als "schwach" - das war ihr grosser Vorteil. Eine "schwache" Person anzugreiffen galt als ein Zeichen eines Nidingr. Und NIEMAND wollte als Nidingr gelten. Es war ja nicht nur mit Austoss aus dem Clan und der Gesellschaft verbunden, man schädigte damit seinen Clan der oft alles war was man hatte, riskierte sein eigenes Leben (allein überleben war sehr schwierig) und war natürlich Gespött - Abschaum. Jemand der einen Schwachen schlug (Kinder, Frauen, Greise aber auch Transvestiten) war ein Nidingr. Ein Mann überlegte also gut ob er seine Frau schlägt oder nicht.
    Das Frauen als schwach galten war nicht diskriminierend sondern pragmatisch. Frauen waren kleiner und weniger muskulös als Männer hatten also von Haus aus wenig Chancen gegen einen Mann, zudem wurden Männer von Kindesbeinen an im Kampf unterwiesen, Frauen dagegen im Haushalt. Also hatte der Mann auch sehr viel Kampferfahrung die der Frau fehlte. Das führte soweit, dass eine Frau einen Mann schlagen konnte ohne mit Gegenwehr rechnen zu müssen. Eine Saga berichtet, dass eine Frau an der Seite ihres Mannes kämpfte und 3 Männer erschlug bevor sie entwaffnet werden konnte. Wohlgemerkt, sie wurde nicht verletzt und nicht getötet sondern entwaffnet - die Männer haben ihre Hiebe nur parriert aber nicht zurückgeschlagen.
    In Kampfhandlungen konnten Frauen also mit einer gewissen unversehrtheit rechnen was zu ihrer "diplomatischen Immunität" addierte. Männer waren viel vorsichtiger wenn es darum ging eine Fehde auszusprechen als Frauen, die ja nicht um ihr Leben fürchten mussten. Andererseits war es ja auch ihre Aufgabe die Männer an ihre Pflichten und Ehre zu erinnern.

    Weiters galten die Brüder ihren Schwestern verpflichtet, mehr als ihren eigenen Frauen. Das Band zwischen Bruder und Schwester war das Engste von allen und wurde etabliert und gestärkt so gut es ging. Auf alle Anderen Mitglieder des Clans war ja nicht zwingend verlass - der Vater bzw.die Mutter starben oft früh, die Kinder wurden nicht immer Erwachsen und entferntere Verwandte hatten oft ihre eigenen kleinen Familien primär zu Versorgen - natürlich hielt der Clan eng zusammen aber die Brüder waren eben am verlässlichsten.
    Entsprechend ernst nahmen Brüder die Ehre ihre Schwestern und umgekehrt.

    Auch später, als sich Städte und kleine Reiche bildeten umfassten Verbünde selten mehr als 1000 Menschen und die Clanmentalität blieb auch in Reichen verbunden auch wenn sie etwas aufgeweicht wurde. Später wurden Gesetze erlassen um diese Reiche etablieren zu können. Der Holmgang und das Verbot der Blutrache bzw. die "Entschädigungszahlung" an den Clan der Verlust erlitten hatte wurde eingeführt um die Gesellschaftsgefährdende Blutrache zu unterbinden die eine grössere Gemeinschaft unmöglich machte. Eine Blutfehde konnte schnell ausarten - wenn der Mann erschlagen wurde weil er seine Frau schlug, erschlugen seine Verwandten die der Frau um zu zeigen, dass man ihre Leute nicht einfach erschlagen kann und dann rächten die sich wieder und so weiter und so fort...
    Bei den Germanen gab es damals die Möglichkeit im Thing Recht sprechen zu lassen wo alle Freien Männer helfen konnten die Fehde zu unterbinden und Entschädigungszahlungen zu verhängen - andererseits waren Clansübergreifende Things eben nur etwa einmal im Jahr und je nach Beginn der Fehde wars bis dahin zu spät. Darum gab es auch Einvigi - ein Duell auf Leben und Tod zwischen den Streithähnen bzw. Vertretern Selbiger. Der Überlebende galt als im Recht und der Fall war offiziell erledigt. Leider führte auch der Tod eines Clansmitgliedes im Einvigi oft zur Blutrache (die ja wie gesagt vor der Wikingerzeit bei den Germanen rechtens war) so dass die Wikinger den Holmgang erfanden - beim Holmgang wurde das Duell 1. auf einer entlegenen Insel mit Auschluss der Öffentlichkeit ausgetragen (also nur die Kontrahenten und Richter) um Einmischung von Aussen zu verhindern sowie "Ausraster" wenn man einen Freund sterben sieht, und zum Anderen wurde der Kampf nur bis zum 1. Blut gekämpft - wer zuerst einen Tropfen Blut auf den weissen Boden tropfte galt als Verlierer des Rechtsstreites. Einvigi und Holmgang waren heilig und galten als Gottesurteile und wurden auch genutzt wenn das Thing unentschieden ausfiel.
    Der Clan galt jedenfalls immer als äusserst wichtig.

    So ich denke mit dieser rein weltlichen Abhandlung ist es schon klarer. Die mythologische Sicht folgt.
    Geändert von Estar_Odinson (21.11.2012 um 10:12 Uhr)

  11. #11
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    Mythologische Sicht:

    Bevor ich beginne, möchte ich generell verdeutlichen wie enorm wichtig die Religion für die Menschen vor dem ca. 18. Jhd. gewesen ist. Ob Mittelalter, Antike, Steinzeit oder auch bei heute lebenden Gläubigen ist die Religion das Wichtigste im Leben und nicht selten wichtiger als das Leben selbst. Da das heute für Viele kaum nachvollziehbar ist will ich kurz abschweifen und das erklären:

    Kurz, die Religion ist dem Gläubigen ein Seelentröster, eine "Wissenschaft" ein theoretisches Modell zur Erklärung der Welt, ist Trost, Hoffnung, Sicherheit, Beständigkeit, Stütze, Selbstbewusstsein, Gemeinschaft, Aufwertung des eigenen Selbstes und vieles mehr.

    Wie enorm wichtig das alles für frühere Menschen war, kann nicht oft genug betont werden. Zum einen gab es kaum "wissenschaftliche" Erklärungsmodelle und alles was man wusste, basierte auch Beobachtung und Schlüsse ziehen (intelligent guessing) und der Mensch WILL wissen. Nichts macht ihm mehr Angst als das Unbekannte, also war die religiöse Erklärung sehr wichtig.
    Gewagter gesagt - auch die Wissenschaft ist nur eine Religion. Wir nehmen theoretische Modelle an, die uns die Welt erklären und die allerwenigsten Menschen könnten überhaupt prüfen ob das stimmt oder nur gelogen ist. Ist die Welt WIRKLICH eine Kugel oder Glauben wir das nur weil man es uns erzählt? Im ernst, WEISST du es? Warst du im Weltraum und hast es gesehen?
    Selbst wenn du in Mathematik bewandert bist ist es ja nur eine Berechnung und Annahme. Natürlich ist die Welt eine Kugel, aber wir WISSEN es nur weil uns das andere Menschen denen wir Kompetenz einräumen sagen. Genauso wie wir heute den Wissenschaftern so ziemlich alles !ungefragt! glauben und abkaufen was die Erzählen, glaubten die Menschen früher blind ihren geistigen Führern.
    Zur Anmerkung: Ungefragt! Das ist auch heute der Fall und dabei ist die Wissenschaft ja auch nicht die Wahrheit. Wir WISSEN etwa, dass viele Theorien der Wissenschaft bei näherer Betrachtung zusammenbrechen und gar nicht stimmen KÖNNEN (Evolutionstheorie, Atommodell, diverse astrophysikalische Annahmen etc.) aber sie werden gelehrt weil wir entweder keine besseren Erklärungsmodelle haben oder weil man ohne eingehendes Studium keine komplexere Theorie verstehen KANN.
    Studenten wissen es vermutlich - die ersten 1 - 2 Semester verbringt man damit zu vergessen was man im Gymnasium gelernt hat da diese Lehren entweder längst überholt oder schlichtweg falsch waren. Doch auch der Student und leider mancher Dr. übernimmt ungefragt Theorien von "Autoritäten" auf einem Gebiet. Einerseits weil er nicht prüfen KANN und Andererseits weils bequemer ist. Dabei wissen wir, wieviel Unsinn in der Fachwelt kursiert.
    Wer Vorträge von Professoren kennt weiss, wie die manchmal ausarten können selbst in Schlägereien. Denn eins Wissen wir: Wir wissen nichts. Auch heute haben wir für die meisten Erscheinungen nur spekulative Theorien die auf Daten basieren die VERMUTLICH richtig sind.
    Auch heute ist Wissenschaft eine Glaubensfrage - glaubst du an den Urknall oder die Ausdehnung? Glaubst du an die Stringtheorie oder nicht? Glaubst du an die horizontale oder vertikale Evolutionstheorie? Selbst hochdekorierte Wissenschafter können da WÄHLEN und sich ihren GLAUBEN aussuchen, denn wir können diese Dinge weder beweisen noch wiederlegen. Sie könnten stimmen oder auch nicht und jeder darf sich aussuchen was er GLAUBT.
    Der Witz ist dass es noch viel mehr Alternativen zur Auswahl gibt aber ich will ja nicht alles aufzählen zumal dann Viele vermutlich nicht mehr folgen können wenn ich mit Begriffen wie Hohlraumstrahlung komme ^^
    Kurzum, selbst die Existenz von Gott ist eine Glaubensfrage. Es kann einen Gott geben oder auch nicht, man kann das weder Beweisen noch Widerlegen. Es gibt viele Gründe die für die Existenz göttlicher Wesen sprechen und Theorien die das schlüssig belegen, es gibt viele Gründe die eine solche Existenz zumindest unnötig machen und das sehr schlüssig belegen.
    Wir übernehmen zudem ungefragt Halbwissen - und da artet es aus. Fachleute reissen sich die Haare aus, die "unbewanderte" Bevölkerung leidet und folgt im Grunde ganz falschen Erkenntnissen. Grund 1 dafür ist, dass akademisches Wissen zwischen 10 und 50 Jahren braucht bis es die Allgemeinheit (Schulen) erreicht. Grund 2 ist, dass diese Theorien oft sehr komplex sind und der unwissende Mensch sie vereinfacht und zusammenkürzt, sich also einen "Reim" daraus macht was vieles verstümmeln MUSS.
    Und so tun wir Dinge die nachweislich schädlich sind im GLAUBEN wir täten uns damit was Gutes. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen aber gerade im Ernährungsbereich ist das schon enorm. Aber auch diverse New Age Ausartungen der Esoterik beruhen auf komplett missverstandenen Theorien der Wissenschaft etc.

    Zudem neigen wir dazu, unsere Vorfahren als dumme Idioten darzustellen und dafür sollten wir uns kräftig schämen. Die Ahnen waren hochintelligent. Rein genetisch gesehen waren sie im Schnitt vermutlich deutlich intelligenter als wir es heute sind (statistisch gesehen verdummt die Menschheit da von 4 Kindern eines Paars 1 Kind intelligenter, 1 gleichintellgent und 2 dümmer sind als ihre Eltern)
    Und das sieht man deutlich wenn man hinguckt.
    Schon die Ägypter, später die Griechen aber auch die Wikinger wussten bereits, dass die Erde eine Kugel ist, sie wussten was Elektrizität ist und wie man sie in GERINGEN Mengen erzeugen kann (Nutzen konnten sie sie nicht) sie bauten Gebäude die wir heute kaum nachbauen können, ihr Wissen um Astronomie und Medizin war enorm und immer öfter greift die moderne Medizin auf frühere Heilungsverfahren zurück bzw. entwickelt diese weiter (wie das moderne "Ausbrennen" von Wunden mit Laser statt mit glühendem Metall wie früher) und wir finden Hinweise, dass auch das Wissen um die Milchstrasse, Bakterien, die Zellstruktur des Lebens und Co. bekannt war (jedenfalls den Gelehrten der Zeit) Das zu erklären würde wirklich eine Doktorarbeit benötigen aber kurz und sehr vereinfacht gesagt - ob ein Schamane sagt das kleine böse Geister den Körper von innen heraus krank machen und von Aussen eingedrungen sind und diese bösen Geister sich in Dreck wohl fühlen weshalb Sauberkeit des Dorfes und des menschen wichtig ist oder ein Arzt sagt, dass man sich gefälligst waschen soll um viralen Infekten vorzubeugen...im Ende ist das Selbe Wissen dahinter. Und die Heilung beruhte auf der gleichen Idee - die krank machenden Wesen aus dem Körper zu schaffen. Früher machte man das mit Umschlägen, Kräutern und Magie, heute mit Antibiotika. Das künstliche Fiebern wendet man heute an wie damals etc.
    Auch bei der Magie kann man ausholen - die moderne Medizin erkennt die "positive Psychologie" an - es ist Fakt, dass Placebos wirken obwohl sie keine Wirkstoffe enthalten, es ist Fakt, dass ein Mensch der glücklich ist eine bessere Immunabwehr und schnellere Genesung hat, es ist Fakt, dass psychologische Zustände Menschen krank oder gesund machen können und es ist Fakt, dass man mit "Tamtam" wie magischen Ritualen etc. den seelischen Zustand eines Menschen, damit seine Hormonausschüttung und damit seine Gesundheit positiv beeinflussen kann. Auch in der Psychotherapie wird immer öfter Ritualmagisch gearbeitet um auf das "Tiefenich" einzuwirken. Dazu müsste man sagen, dass alles als "Magie" gilt was man nicht wissenschaftlich erklären kann und heute sehr viele Dinge die früher der Magie zugeordnet wurden wie etwa Elektrizität, Magnetismus, Psychologie, Chemie (einst Alchemie) etc. heute der Wissenschaft zugeordnet werden obwohl sich an der Lehre und Erscheinung ja nix geändert hat. Nur die Erklärungsmodelle wurden moderner und heute spricht man eben von unpersönlichen Kräften und Feldern anstatt von Geistern mi Bewusstsein. Wobei auch hier eine tiefere Lehre dahintersteckt - wenn man etwa Thor nicht erzürnen will, sollte man im Gewitter Bäume die dem Thor heilig sind meiden da er in diese fährt. Heute Wissen wir, dass genau in diese Bäume aufgrund ihrer Struktur sehr oft der Blitz einschlägt und man sich lieber woanders Schutz vor dem Unwetter suchen sollte. Gleiche Erkenntnis, andere Formulierung.
    Das wird noch beeindruckender wenn man anfängt die Mythen als wissenschaftliche Erklärungsmodelle zu lesen und nicht als Geschichten. Auch das wär ne Dr. Arbeit für sich und ich kenne sehr Gute solche zu dem Thema. Übersetzt man etwa altnordische Namen so wohnt etwa Der "Donnerer" zusammen mit seiner Frau "Blitz" in "Kraftfeld" im Himmel von wo aus er seine Waffe den "Zerschmetterer" die Riesen erschlägt die in der Erde wohnen. Blitz und Donner gehören also zusammen und der Blitz erschlägt vom Kraftfeld im Himmel aus grosse Objekte auf oder unter der Erde. Ausserdem beschützt er die Erde vor Kräften von der "Aussenwelt" - dem Weltall, Utgard. Und in der Tat schützt das Kraftfeld der Erde uns vor Fluktuationen und anderen Problemen aus dem Weltall. Und was braucht Thor um seinen Blitz - den Hammer - zu schwingen? Einen eisernen Kraftgürtel und eiserne Handschuhe (Leiter)
    Das ist jetzt sehr kurz und oberflächlich, aber wenn man sich etwa die ägyptische Mythologie - oder auch die nordische - genau ansieht, erkennt man da unglaublich viel wissenschaftliches Wissen dass unserem heutigen Erkenntnisstand sehr nahe kommt. In Ägypten etwa ist bei elektrischen ladungen von positiven und negativen - also polarisierten - Kräften die Rede, symbolsiiert als 2 verschieden geschlechtliche Wesen die sich vereinen und so der Blitz entsteht - was wir ja wissen mit positiven und negativen Ladungen.

    Man Bedenke dass man damals kein Fachjargon hatte und auf mythologishe, Bilderreiche Erklärungsmodelle zurückgreiffen MUSSTE um Wissen mitzuteilen. Auch heute haben wir oft "Bilder" die gar nicht stimmen (etwa das Atommodell) aber anschaulicher können wir das halt nicht erklären. Und "Wellenteilchen" ist für Licht jetzt auch nicht grade weniger Bildhaft als das Lichtmeer (Sonne)

    Zudem Bedenke man, dass heute wie damals nur wenige Menschen das Wissen wirklich besitzen und verstehen. So wie heute die Masse der Bevölkerung keine Ahnung von etwa Quantenmechanik hat, und von Atomen auch nicht mehr weiss als das meist falsche Schulwissen, wussten die meisten Menschen damals auch nichts vom wissenschaftlichen Hintergrund ihrer Religion und Mythologie und nahmen das einfach mal hin, während nur wenige Eingeweihte - meist die Priester und Magier - das Wissen kannten und die Geschichten zu deuten wussten.

    Man könnte heute auch Geschichten erzählen die wissenschaftliches Wissen vermitteln aber nicht als Solches erkannt würden. Man könnte eine Geschichte erzählen von einer schönen Frau um die viele Männer werben um etwa das Atommodell darzustellen - die sind nie an einer Stelle, haben eine andere "Ladung" und so weiter und so fort - das ist bitte ein Gedankenblitz von 10 Sekunden Überlegung. Die Ahnen nahmen sich für die Ausarbeitung solcher Geschichten oft Jahre Zeit da kommt natürlich brauchbareres heraus.
    Und ohne das Wissen, dass es um das Atommodell geht, würde es jeder als einfache Geschichte zur Unterhaltung interpretieren und GENAU das ist fälschlicherweise mit den Mythen passiert. Die Nachfahren die nicht mehr im Wissen geschult waren, interpretierten die Geschichten, etwa die Edda, als reine Unterhaltungsgeschichten um Menschen zu erfreuen und Zerstreuung zu bieten, unfähig die wissenschaftlichen Erkenntnisse oder hochspirituellen Lehren zu erkennen.

    Wie würdest du einem 5 Jährigen die Evolutionstheorie erklären? Mit Bienchen und Blümchen? Ebenso haben die Gelehrten von Früher dem Volk Wissen vermittelt. Anders ging es eben nicht. und da Allgemeinbildung in frühen Kulturen oft spärlich gesäht war, wussten viele Menschen mit 20 auch nicht mehr über die Welt als mit 5. Wirklich gebildet waren ja immer nur kleine Kreise etwa die Priester und Magier. (Letzteres Wort stammt vom persischen Magh und bedeutet eigentlich nur Gelehrter. In Ägypten waren die heutigen Wissenschaften alle der Magie zugeordnet - Architektur und Medizin ebenso wie Physik und Chemie - Trivia: Al Chem bedeutet "aus Khem" - eine ägyptische Stadt die sich der Herstellung von Medikamenten widmete)

    Ebenso finden wir in der Schöpfungsgeschichte der Wikinger erstaunliches Wissen. Am Anfang war nur "Ginnungagap" - die "grosse Leere" in der es NICHTS gab weder Raum noch Zeit, weder Schall (Energie) noch Leben. Es entstanden aber eine Feuerwelt (Hitze) und eine Eiswelt) Kälte und das Wechselspiel der Beiden (entgegengesetzte Polaritäten!) schufen Ymir. Ymir bedeutet übersetzt "grosser Schall" oder auch "grosser Knall" - Der Big Bang, der Urknall. Und aus den Überresten von Ymir - der Materie - schufen die Götter später die Welt, und die Sterne. Die Welt war aber leer und öde also schufen sie den Himmel (Atmosphäre) und erst DANN konnte Leben wachsen.
    Aus Ymirs Leichnam hervor quoll eine riesige Welle (Alda) welche das ganze Universum flutete. Alda war heiss und sehr kräftig - es war eine gigantische Druckwelle. Die Götter spalteten wie Welle auf in viele kleine Wellen - in Energiewellen verschiedenster Art. Sie nahmen Teile von Ymirs Leib und schufen daraus Sonnen (Energie zu Materie) und Planeten...und dadurch entstanden Raum (Begrenzung) und Zeit...
    Wir finden hier also sehr genau das Konzept des Urknalls und der Entstehung von Leben, stark vereinfacht aber korrekt nach unseren Kriterien. Das Ganze ginge noch viel weiter und zeugt auch vom geographischen Wissen der Wikinger aber ich möchte nur noch Anmerken, dass auch eine grosse spirituelle Lehre hinter all dem steht.
    Odin (Eigentlich Oðinn) bedeutet "DER Geist" (aber auch Intellekt, Poesie, Leidenschaft, Wut etc. Manche Worte sind vielschichtig übersetzt mal das englische Mind und ihr kommt auf ca. 20 korrekte Deutsche Übersetzungen) und DER Geist schuf zusammen mit seinen Brüdern Wille (Intention, Absicht, Bewusstsein) und Leben den Menschen aus Materie.
    Aber ein wenig sagte ich ja schon im Pantheismus darüber.
    Geändert von Estar_Odinson (21.11.2012 um 12:12 Uhr)

  12. #12
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    Weiters sollten wir bedenken, dass wir einen massiven Wissensverfall und Einbruch mit der Christianisierung erlitten. Das Wissen, das ind er Antike vorhanden war, die Kultur und Zivilisation verschwand für fast 1000 Jahre von der Welt im Mittelalter. Wir waren im 18. Jhd in etwa so weit wie die antiken Völker. Auch die Wikinger wussten, 500 Jahre vor Kolumbus und vor Kopernikus und Galilei, dass die Erde eine Kugel ist und andere frühere Völker wie die Griechen wussten schon damals, dass die Erde um die Sonne kreist. Unter Anderem deshalb, kamen die Wikinger ja schon bis Amerika. Und als die Christen kamen verschwand das Wissen auch dort. Das soll kein Christenbashing sein aber Fakt ist, dass überall wo die Institution der Kirche Fuss fasste, das Wissenund die Zivilisation erstmal einen gewaltigen Einbruch erlitt was aber nicht an der Religion per se sondern der Unterdrückung, Instrumentalisierung und Ausbeutung zuzuschreiben ist für die eine missverstandene Religion missbraucht wurde. (In der Tat ermöglichte erst das Christentum die Bildung von stabilen Königreichen - bei den Germanen waren alle freien Männer gleichberechtigt und ein König konnte sich nur an der Macht halten indem er seine Untertanen glücklich stimmte, wer das nicht konnte war weg vom Fenster. Gäbe wieder viel Trivia dazu aber die Kurzfassung ist, dass es ohne die Vergöttlichung des Herrschers und die gleichzeitige Rechtenziehung der Anderen keinen stabilen Staat geben konnte. Sehen wir überall auf dem Globus.)

    Meine Güte kann ich abschweifen...
    Jedenfalls waren die Ahnen ja keinesweges blöd ^^ Im Gegenteil. Und bedenkt man wie sie zu diesen Erkenntnissen kamen ohne unseren technischen Hilfsmittel ist das wirklich bewundernswert

    So kommen wir zum Punkt.
    So wie wir heute WISSEN wie die Welt entstanden ist und welche Rolle diverse Kräfte gespielt haben, WUSSTEN die Menschen damals das Selbe und ihre Kräfte waren Götter.
    So wie wir heute WISSEN wie Unwetter entstehen, WUSSTEN es die Menschen damals und so wie wir uns heute SICHER sind, dass es Gravitation gibt, waren sich die Menschen damals SICHER dass ihr Todeszeitpunkt vorherbestimmt ist. Und so wie wir heute GLAUBEN was uns Wissenscahfter berichten, GLAUBTEN die Menschen damals an das was die Magier und Priester erzählten. Und wie wir heute WISSEN wie ein Baby entsteht, WUSSTEN die Menschen damals was nach ihrem Tod auf sie wartet. Das galt ja nicht als Spekulation sondern als Fakt.

    Und mit diesem Gedanken im Hintergrund, dass Götter eben genauso real waren wie Tiere und Pflanzen, und heilige Menschen Kontakt zu ihnen hatten, so wie wir heute mitunter mit Menschen telefonieren die hunderte Meilen weg sind, können wir weiter arbeiten.

    Der Glaube gab den Menschen also Gewissheit, Sicherheit, Stütze. Er war heilig, Fakt. So wir wir Wissen, wenn wir jemanden umbringen gehen wir ins Gefängnis, so wussten die Menschen damals, dass wenn sie gegen die Gebote der Götter verstossen, sie mit schwerer Strafe oder gar ewiger Qual (bis Ragnarök) in Helheim bestraft wurden und dass sie, wenn sie den Göttern und ihren Geboten Achtung erwiesen und ihnen folgten, sie in ein Paradies kommen würden das ihnen entsprach.
    Abgesehen davon, dass Sittsamkeit etc. rein soziologisch also auch ganz profane Vorteile bot während Morde etc. auch ganz weltliche Konsequenzen nach sich zogen. Quasi doppelt belohnen / bestrafen hält besser.

    So was war denn nun heilig? Im Grunde was die Götter vorgaben. Sehen wir uns die Geschichten an, so geben die Götter entweder durch ihr eigenes Verhalten Beispiele denen man folgen soll (etwa das Ende des Asen - Wanenkrieges durch Heirat) oder durch klare Anweisungen (so wie Odin in einem Lied vorschrieb, dass ein ehrbarer Mensch nicht über den Durst, also bis zum Verlust seines Verstandes trinken darf, und jemand der sich besäuft, so dass er lallt, ungeschickt wird und zur Belustigung der Anderen wird, ein Nidingr ist)
    Und keiner wollte die Götter verärgern, denn das bedeutete nicht nur Ärger im Leben danach, sondern schon im hier und jetzt. Schlechte Ernte, Unfruchtbarkeit / Impotenz, Krankheit, Hässlichkeit, Feindschaft, Zwist...all das und mehr konnte passieren, wenn man gegen die Gebote der Götter verstiess. Das war, um es zu betonen, FAKT.
    Ergo achteten viele Menschen peinlichst darauf, sich an die Regeln zu halten (natürlich gibts IMMER Menschen die es genau Wissen wollen und drauf anlegen bzw. glauben nicht erwischt zu werden. Die Gefängnisse sind voll davon)

    Und es war die Aufgabe der Frauen darauf zu achten, dass sich ihre Clansmitglieder dran halten. Dadurch bekamen sie nicht nur grossen Einfluss innerhalb ihres Clans sondern auch politische Macht.

    Zu den früher besprochenen Punkten - Gastfreundschaft galt als heilig, denn die Götter, allen voran Odin, besuchten oft in Verkleidung die Menschen. Der Gast konnte also ein Gott sein und wurde entsprechend behandelt. Zudem die Götter Menschen favorisieren die freundlich zu Gästen und Notleidenden sind und denen ihre Gunst, und damit Glück und mitunter Reichtum schenken, welche das Gastrecht achten. Allein deswegen war Intoleranz schon ein schwerer Frevel.
    Alkoholkonsum galt als durchaus normal aber NUR solange man dabei "mit klarem Geist" verblieb. Besoffen sein galt als Zeichen von Unbeherrschtheit, damit Schwäche, Unmännlichkeit und führte zum Ausschluss aus der Gemeinschaft der "freien Männer" - man verlor das Stimmrecht und mehr, der gesellschaftliche Abstieg war schlimm und berührte auch den eigenen Clan, war also ein ernstes Thema. Ob das bei den Germanen auchs chon so war bleibt offen, da die römischen Quellen berichten, dass die Germanen ordentlich gebechert haben sollen. Und wenn das ein RÖMER sagt...hui

    Das Thing war ebenso heilig, denn die Götter machten es vor. Auch die Götter berieten in heiligen Hallen das weitere vorgehen gemeinsam, besprachen ihre Ideen und Bedenken und einigten sich dann auf ein gemeinsames Vorgehen sowie Regeln die einzuhalten wären oder schlichteten Streit. Nach diesem Vorbilde taten es auch die Menschen.

    Die Frau war, religiös gesehen, auch heilig. Die weiblichen Kräfte des Universums, also die Göttinnen, waren nicht nur Wächter über die Toten (Auch Odin bekam nur, was Freya ihm zuwies) sondern auch über Fruchtbarkeit (auch der Äcker) und des Lebens sowie der Heilung. Das Rollenbild der Wikinger war klar und stark ausgeprägt, aber die Frauen hatten (eventuell ein Überbleibsel steinzeitlichen Matriarchates) durchaus Bewunderung und Verehrung auf ihrer Seite.

    Die Menschen die nicht in die Rollen passten waren "Transvestiten" - obwohl es auch klassische Solche gab die wirklich die Rolle tauschten mitsamt Kleidung. Jedenfalls war auch das mythologisch kein Problem, immerhin waren einige Götter nicht nur Gestaltwandler sondern auch Geschlechtwandler. So trat Loki, eigentlich ein männlicher Gott, oft als alte Frau auf oder zeugte bzw. gebar, verwandelt in eine Stute, mit dem Hengst eines Riesen Odins achtbeiniges Wunderpferd Sleipnir. Solche Menschen waren also magisch veranlagt und von den Göttern begünstigt. Ja selbst der übermännliche Thor musste sich einmal als Frau verkleiden und war deswegen ja nicht unmännlicher als zuvor und wer würde schon Thor auslachen...

    Mythologisch NICHT begründet ist das Verbot der Geschwisterehe. Die Götter haben zwar oft mehrere Ehepartner gehabt (also mit der Zeit gewechselt) aber die Wanen (die Asen nie, die Wanen dauernd) führten sehr oft Geschwisterehen.
    Scheidung und Co gab es aber auch bei den Göttern und Odin selbst hatte mindestens 4 Ehefrauen mit denen er Kinder zeugte, während Freya gar berühmt dafür war mit "allen Göttern, Zwergen und Elfen" geschlafen zu haben, wie Loki ihr vorwarf. Alle ist vielleicht übertrieben, aber Freya hatte wirklich ein seeehr ausgiebiges Liebesleben. Es war Frauen also nicht verboten Spass zu haben und Keuschheit war eine lustige Idee der beknackten Christen, wenn man so will.
    Geändert von Estar_Odinson (22.11.2012 um 10:12 Uhr)

  13. #13
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    Magische Bünde, Blutsbruderschaft & Co - die Alternativen:

    Natürlich gab es auch in der nordischen Kultur Alternativen zum Clan. Vermutlich aus der Not oder Abgeschiedenheit heraus - Menschen die zu Nidingar geworden sind brauchten ebenso einen "Ersatz"clan wie Krieger die weit von zu Hause entfernt waren oder gar festsaßen. Aber auch Priester & Magier die oft je nach Bedarf zu Clans ohne geistige Führung gingen, brauchten eine Gemeinschaft ausserhalb der Clans zu denen sie einwanderten, nur für alle Fälle.
    Und letztlich ist ein "Gemeinschaftsbedürfnis" mit gleichgesinnten Menschen eine Art Grundbedürfnis.
    Das Ergebnis dieser Dinge war, dass Bünde geschaffen wurden, welche entweder auf der selben Ebene wie der, oder sogar über dem Clan standen also ebenbürtig waren oder vorrang hatten.

    Blutsbande:
    Die bekannteste Version ist die Blutsbruderschaft. Die kurze Version ist, dass 2 oder mehr Beteiligte, ein Ritual vollziehen in welchem sie ihr Blut vermischen. Da gabs viele Varianten - man berichtet die alten Germanen haben sich die Hände aufgeschnitten, zusammengepresst (also Handschlag) und Blut in ihe Fussspuren auf der Erde tropfen liessen um so mit "Land und Mensch" eins zu werden.
    Es gibt auch Berichte, dass man das Blut aller beteilgiten in einem Kelch / Horn sammelte, mit etwas Erde und Met vermischte und dann jeder davon trank.
    Jedenfalls war die Blutsbruderschaft dem Clan gleichgesetzt, also Ebenbürtig. Symbolisch gesehen holte man damit den / die Beteiligten in den jeweils eigenen Clan hinzu, er war "von gleichem Blut" und gehörte damit zur Familie und hatte die selben Rechte aber auch Pflichten wie jedes Clansmitglied. Das Ritual wurde meist vom ganzen Clan geachtet auch wenn nur einer von ihnen Blutsbruderschaft schwor - auch hier dienten die Götter als Vorbild als der Ase Odin den Riesen Loki zu seinem Blutsbruder machte wodurch Loki ein vollwertiger Ase wurde.
    Blutsbruderschaften konnten theoretisch von jedem mit jedem geschaffen werden und erweiterten einen Clan.
    Das Ritual der Blutsbruderschaft wurde aber auch von anderen Bünden genommen - dabei wurde symbolisch ein neuer Clan aus en Beteiligten geschaffen da in diesen Bünden die angehenden Geschwister ihre eigene Clans verloren hatten (sei es wegen Fehlverhalten ausgestossen, durch Katastrophen oder freiwillige Abwanderung was vor allem bei Schamanen und Magiern vorkam aber auch bei Skalden)

    Kriegerbünde:
    Natürlich gab es Wikinger und Germanen die ganz für den Kampf lebten - war ja gewisserweise eine Art religiöse Ausrichtung. Manche taten es auch aus der "Freude" am Handwerk und dem damit möglichen Reichtum.
    Diese Bünde umfassten alle möglichen Varianten - Nidingr schlossen sich oft zusammen um auf Viking zu gehen - also Piraten, Seeräuber - und schworen sich gegenseitig die Treue um eine loyale Mannschaft zu erzeugen die gerecht teilte und zusammenhielt
    Aber auch ehrbare Krieger bildeten solche Gemeinschaften - die Berühmteste waren die Jomswikinger die ihre eigene Sage bekamen. Ihre Kampfkraft galt als legendär, jeder einzelne Jomswikinger als ein Held und sie alle sahen sich als zukünftige Einherjar. Von der gewaltigen Kampfkraft dieser Männer erzählen einige Legenden. Die Jomswikinger waren im Grunde eine Art Söldner und kämpften für eigene Interessen ebenso wie für Sold und waren sich nur gegenseitig treu, weshalb sie auch manches mal als Nidingr beschimpft wurden.
    2 sehr berühmte Gemeinschaften ehrbarer Krieger die auch hoch angesehen wurden waren die Berserkir und Ulfhednar. Im Grunde einander sehr ähnlich aber doch verschieden, waren sie fanatische Krieger und fleissige Anhänger des Odinkultes. Sie wollten vor allem eines - als Einherjar nach Valhall einziehen und an Odins Seite kämpfen. Sie lebten ganz und gar für den Kampf und waren berühmt für ihre aggressive Kampfweise, ihre furchterregende Raserei, ihren Heldenmut und ihre Schmerzunempfindlichkeit. In der Tat haben sie scheinbar Riten durchlaufen die sie sehr schmerzresistent machten. Eine alternative Ansicht ist, dass sie spezielle drogenartige Pilze aßen und dadurch schmerzunempfindlich wurden.
    Jedenfalls verbreiteten diese Krieger Angst und Schrecken bei ihren Feinden und verbesserten die Moral in den eigenen Reihen und waren in jeder Armee willkommene Gäste. Allerdings nur dort - einige Städte gaben diesen Brutalos Hausverbot weil ihre rüpelhafte, kampflustige Art nicht nur "Nichtgermanen" galt. Ihre Loyalität galt zu allererst Odin, dann ihrem Bund und dann, sofern sie überhaupt noch Kontakt dazu hatten, ihrem Clan.

    Magische Bünde:
    Auch die gab es. Generell waren Seher/innen Magier/innen (aka Hexen) und Priester/innen in Bünden vereint deren Loyalität über der zum Clan stand. Dieser "Überclanstrukturen" halfen der Gesellschaft zusammenzurücken und die Loyalität gegenüber den Göttern und ihren Bünden vor allem Anderen erlaubte ihnen, als Richter im Thing, Schiedsrichter beim Holmgang oder der Wahl der Anführer als Vorsitzende zu fungieren, und ihr Wort hatte, einerseits wegen ihrer Neutralität in Clansaffären, andererseits wegen ihrer Nähe zu den Göttern, immenses Gewicht.
    Untereinander hatten die verschiedenen Bünde meist wenig zu schaffen, aber es gab doch Bünde zwischen etwa Priestern der selben Gottheit, umherreisenden Skalden, Magiern, Hexen etc.

  14. #14
    Eingeweihter Myrrhe befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von Myrrhe
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    Lächeln

    mach weiter... es macht Spass deine Ausführungen zu lesen.
    Du fasst das sehr gut zusammen und gibst Hintergrundinformation, die sich einem nicht unbedingt von selbst erschließt.
    Eine kleine Anmerkung...
    auch im Alten Testament ist die Erschaffung der Erde ebenso beschrieben.

  15. #15
    Padawan GandalfDerWeisse befindet sich auf einem aufstrebenden Ast Benutzerbild von GandalfDerWeisse
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    Daumen hoch

    Zitat Zitat von Myrrhe Beitrag anzeigen
    mach weiter... es macht Spass deine Ausführungen zu lesen.
    Du fasst das sehr gut zusammen und gibst Hintergrundinformation, die sich einem nicht unbedingt von selbst erschließt.
    Eine kleine Anmerkung...
    auch im Alten Testament ist die Erschaffung der Erde ebenso beschrieben.
    Hallo Myrrhe,

    kann dir da nur zustimmen!!! Looki/Support stellt den Mann ein!!!

    Gruß
    GandalfDerWeisse
    cool sein ist out ...!

    Qui habet aures audiendi, audiat! ... wer Ohren hat zu hören, der höre!
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