Mal ein kleiner Exkurs in die Welt der Finanzpolitik und Kapitalmärkte

Heute wird in den Medien wieder über Griechenland berichtet. Nachdem alle bisherigen Versuche der Regierungsbildung gescheitert sind und heute die SYRIZA(Radikal Links) sämtliche Gespräche ablehnte, stehen in Griechenland alle Zeichen auf Neuwahlen.

Die Medien nehmen dies als Anlass wieder einmal die Kapitalmärkte einzubringen. Dieses mal handelt es sich um den internationalen Währungsmarkt(ForEx oder ECN). Der Blick fällt auf den Kurs EURUSD, also Euro in US Dollar. Viele deutsche Medien, wie Phoenix und N24, und viele ausländische Medien, wie CNN, berichteten über einen MASSIVEN Kurseinbruch.

Ich halte derzeit eine Shortposition in diesem Währungspaar. Das heisst ich halte Geld in US$ und habe vor es bald zurückzutauschen. Die Position habe ich auf Grund der positiven Entwicklungen in den USA eröffnet. Steigt der Dollar oder fällt der Euro erhalte ich so bei Rücktausch einen Handelsgewinn. Daher hat mich natürlich die Nachricht heute morgen sehr gefreut, wenn auch etwas überrascht. Laut meiner Analyse ging hervor, dass die Auswirkungen und Risikofaktoren der Griechenlandkrise bereits im aktuellen Kurs enthalten wären. Gut, Analysen können fehlerhaft sein und massenpsychologische Phänomene sind meist nicht analysierbar.

Nunja, Handelsplattform an und mal selber nachschauen. "Nanu? Da ist ja gar nichts zu erkennen.", war mein erster Gedanke, "Etwa wieder einmal Medieninkopetenz und Übertreibung im Punkto Finanzmärkte? Und ob!".

Ihr werdet gleich sehen was ich meine:
Bewegung vor News
Der gelbe Bereich ist der Chartverlauf von Sontag 22:30Uhr (Eröffnungskurs) bis zum Erscheinen der News. Man kann deutlich erkennen, dass die Bewegung lediglich ein kleiner Bruchteil eines langfristigen Trends ist. Das lila Dreieck zeigt die schnellste und größte Bewegung innerhalb des Trendes. Die maximale Differenz im gelben Bereich beträgt knapp 470 Punkte(sog. Pips), während die lila Bewegung etwa 2.230 Pips groß war. Zu diesem Kursbruch gab es aber keine Nachrichten. Ein regulärer, intakter Kurs hat normalerweise eine Schwankung von grob 1.500 Pips. Die 470 Pips im gelben Bereich sind aus markttechnischer Sicht kein Problem.
Schauen wir uns nun an wie die Bewegung nach der News verlief:
Bewegung nach News

So was hat dies nun mit Politik zu tun?

Vor allem unerfahrene Trader setzen häufig auf sog. Newstrading. Das heisst dadurch reagieren die Märkte direkt auf die Medien. Führen wir mal diese Kette fort; wer reagiert auf die Märkte? Die Politik! Das ist der Punkt an dem alle erfahrenen Trader aufschreien. Das ist nämlich der Zeitpunkt, an dem Steuergelder unnötigerweise ausgegeben werden. Es handelt sich bei dem Einbruch schlichtweg um ein Angebotsüberhang auf Grund einer Massenhysterie, verursacht durch Massenmedien. Gelder werden trotzdem ausgegeben.

Wohin gehen diese Gelder?
In unterschiedliche Branchen, die den Markt wieder "ankurbeln" sollen.

Gibt es eine Alternative?
Abwarten und Tee trinken Die unerfahrenen Trader, die die Massenhysterie erst möglich machten, haben ein eher geringeres Volumen. Die erfahrenen Trader sorgen dafür, dass der Kurs sich wieder ausgleicht. In diesem Falle gilt, dass die Griechenlandrisiken bereits im Kurs enthalten sind und sich der Kurs so oder so in einem Abwärtstrend, u.a. auf Grund der starken Wirtschaftszahlen aus den USA, befindet.

In der Realität schaffen wir leider ein Kreislauf. Eine News wird gepublished, der Markt reagiert auf die News. Die Newscenter reagieren auf die Marktreaktion, der Markt reagiert auf die News. Politiker werden aufmerksam und "greifen helfend ein". Da die politische Maßnahme greift und der Markt sich aber dennoch selber ausgleicht, ist der Kurs nun überbewertet. Die Politik freut sich über die "schönen, hohen Zahlen" und die Newscenter publishen positive Daten ohne Ende. Die Überbewertung wird immer größer. Irgendwann kommt der Crash. Nun geht es wieder von vorne los. Da hauptsächlich Banken und Versicherungen an Kapitalmärkten investieren, fliesst so viel Geld in diese Branche.

Ich weiss ja nicht wie Ihr denkt, aber ich denke die Abwarten-und-Tee-trinken-Methode ist da weitaus entspannter.